Ukraine: Russland verschärft Angriffe im Osten und Süden

Mehr als zwei Monate nach Kriegsbeginn verstärkt Russland nach ukrainischen Angaben seine Angriffe auf den Osten und Süden des Landes.
Autor: APA Politik, 28.04.2022 um 16:12 Uhr

Das russische Militär beschleunige seine Offensiveinsätze, teilte das ukrainische Militärkommando zur Lage an der Hauptfront im Osten am Donnerstag mit. Es gebe aus fast allen Richtungen intensiven Beschuss. Nach ukrainischen Angaben erfolgte der Hauptangriff Russlands in der Nähe der Städte Sloboschanske und Donez entlang einer strategisch wichtigen Straße, die die zweitgrößte ukrainische Stadt Charkiw mit der von Russland besetzten Stadt Isjum verbindet. Der Gouverneur der Region Charkiw erklärte, dass die russischen Streitkräfte ihre Angriffe von Isjum aus verstärkten, die ukrainischen Truppen aber ihre Stellungen hielten. Nach Angaben des ukrainischen Militärs wurden durch russischen Beschuss in der Region mindestens drei Menschen getötet und sechs verletzt.

Selenskyjs Heimatstadt wird angegriffen

Die Ukraine berichtete zudem von schweren Explosionen in der Nacht in der südlichen Stadt Cherson - der einzigen Regionalhauptstadt, die Russland seit Beginn der Invasion am 24. Februar eingenommen hat. Russische Truppen würden die gesamte umliegende Region beschießen und griffen in Richtung Mykolajiw und Krywyj Rih an, der Heimatstadt von Präsident Wolodymyr Selenskyj im Süden des Landes. Der ukrainische Präsident würdigte unterdessen die pro-ukrainische Protestkundgebung im eroberten Cherson, die nach Angaben des ukrainischen Generalstaatsanwalts von russischen Kräften mit Tränengas und Blendgranaten aufgelöst wurde. "Ich bin allen dankbar, die nicht aufgegeben haben, die protestieren, die die Besatzer ignorieren und den wenigen Menschen, die zu Kollaborateuren geworden sind, zeigen, dass es für sie keine Zukunft gibt", so Selenskyj.

Klitscko warnt

Auch in Kiew dürfte die Lage weiter schwierig sein. Bürgermeister Vitali Klitschko hat geflüchtete Einwohner erneut aufgefordert, vorerst nicht in die ukrainische Hauptstadt zurückzukehren. Zwar täten die ukrainischen Soldaten alles, um russische Raketen abzuschießen, sagte Klitschko am Donnerstag. Aber: "Kiew ist weiterhin keine sichere Stadt." Auch in den Vororten sei es gefährlich, weil dort noch nicht alle Minen geräumt seien. Es seien bereits Menschen getötet worden.

„Russland vollständig aus Ukraine vertreiben“

Die britische Außenministerin Liz Truss formulierte unterdessen das Ziel, russische Truppen vollständig aus der Ukraine vertreiben zu wollen. "Wir werden schneller handeln und weiter gehen, um Russland aus der gesamten Ukraine zu verdrängen", sagte Truss am Mittwochabend in London in einer Rede zur Sicherheitspolitik. Damit wären Kommentatoren zufolge auch die bereits 2014 von Moskau annektierte Halbinsel Krim und Teile der schon lange umkämpften Donbass-Region gemeint. Truss rief westliche Verbündete zu weiteren Lieferungen schwerer Waffen an die Ukraine auf - darunter auch Flugzeuge.