Unerwünschte Person: Litauen wirft russischen Botschafter raus

Als erstes Mitgliedsland der EU hat die baltische Republik Litauen den russischen Botschafter zur unerwünschten Person erklärt.
Autor: APA Politik, 04.04.2022 um 16:56 Uhr

Erste EU-Staaten reagieren mit diplomatischen Maßnahmen auf das Massaker im Kiewer Vorort Butscha: In der baltischen Republik Litauen muss der dortige russische Botschafter das Land verlassen. Außerdem habe man entschieden, den litauischen Botschafter in der Ukraine wieder nach Kiew zu schicken, erklärte Außenminister Gabrielius Landsbergis auf Twitter. Und fügte hinzu:

"Die Brutalität der russischen Besatzungskräfte hat alle Normen der zivilisierten Welt überschritten. Was die Welt in Butscha sieht, könnte leider erst der Anfang sein."

"Persona non grata"

Mit Spannung wird erwartet, ob Litauen weitere Staaten folgen werden. Nach Bekanntwerden des Massakers hatten führende Politiker der EU weitere Strafmaßnahmen gegen die Russische Föderation in Aussicht gestellt. Die Erklärung eines Diplomaten zur "persona non grata" zählt zu den schärfsten Sanktionen im diplomatischen Verkehr.

Seltene Sanktionsmaßnahme

Missionschefs sind nur in den seltensten Fällen von dieser Maßnahme betroffen, weil damit eine Herabstufung der diplomatischen Beziehungen einhergeht. Weil der russische Botschafter das Land verlassen muss, ist Russland nur noch durch einen Geschäftsträger in dem Nachbarland vertreten.

Baltikum besonders betroffen

Litauen fühlt sich wie die beiden anderen Baltenrepubliken Estland und Lettland von der russischen Aggression in der Ukraine bedroht. Es ist zudem das einzige EU-Land, das auch im Westen an Russland grenzt, und zwar an die Exklave Kaliningrad. Diese ist von Russland aus nur auf dem See- und Luftweg beziehungsweise über einen Landkorridor durch Litauen zu erreichen. Die baltischen Republiken hatten Anfang der 1990er Jahre ihre Unabhängigkeit wiedererlangt, nachdem sie im Zweiten Weltkrieg von der Sowjetunion besetzt worden waren.