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Bundesminister fuer Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz Johannes Rauch (GRUeNE) bei der Pressekonferenz - Regierung bringt Tierschutzpaket und strengere Regeln fuer Schutzhunde auf den Weg im TierQuarTier Wien.
Minister Johannes Rauch (Grüne) präsentiert im Wiener TierQuarTier eine Novelle zum Tierschutzgesetz.
Minister Johannes Rauch (Grüne) präsentiert im Wiener TierQuarTier eine Novelle zum Tierschutzgesetz.
Michael Indra / SEPA.Media / picturedesk.com

Ende für Qualzucht: Rauch stellt neues Gesetz vor

03.02.2024 um 13:59, APA, Red
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Die von Minister Johannes Rauch vorgestellte Novelle des Tierschutzgesetz fordert Sachkundenachweis für Hundehalter und bekämpft illegalen Welpenhandel.

Bald wird es strengere Regeln für Beiß- und Angriffstraining von Schutzhunden geben und der Qualzucht ein Ende gesetzt. Wie Tierschutzminister Johannes Rauch (Grüne) am Samstag bei einem Pressegespräch im Wiener TierQuartier berichtete, soll die Novelle zum Tierschutzgesetz im April in Kraft treten. Für die Haltung von Hunden und exotischen Wildtieren wird zudem in Zukunft ein Sachkundenachweis erforderlich. Außerdem steht bald auch der Kauf von illegalen Welpen unter Strafe.

Ausnahmen für Polizei, Zoll und Bundesheer

Die Bundesregierung hat sich nun auf neue Regeln zum besseren Schutz von Heimtieren geeinigt. Immer wieder habe es in der Vergangenheit gefährliche Angriffe von Hunden auf Menschen gegeben. Eine besondere Gefahr gehe dabei von jenen Hunden aus, die von ihren Halterinnen und Haltern absichtlich scharf gemacht werden. Damit ist nun Schluss. Sowohl die Tiere als auch Halterinnen und Halter sowie Trainerinnen und Trainer müssen Prüfungen absolvieren, ansonsten ist jedes Beiß- und Angriffstraining verboten. Diese Regelung gilt österreichweit. Ausgenommen sind weiterhin Diensthunde des Bundes, also der Polizei, des Zolls und des Bundesheeres.

Schutzhundesport weiter möglich

"Wir haben in den vergangenen Monaten verschiedene Varianten diskutiert: ein komplettes Verbot des Beiß- und Angriffstrainings oder eine strenge Regulierung", sagte Rauch. "Nach langen Diskussionen mit Expertinnen und Experten haben wir uns für sehr strenge Auflagen entschieden, unter denen der Schutzhundesport weiter möglich sein wird. Wir glauben, dass bei einem kompletten Verbot der Teil der Szene, wie es oft so ist, im Verborgenen weiter gemacht hätte", argumentierte der Minister. Für alle Hunde, die als Schutzhunde ausgebildet werden, ist auch eine verpflichtende Wesensprüfung erforderlich, sowie ein veterinärmedizinisches Attest. Das Mindestalter der Hunde liegt bei zwölf Monaten. Die Wesensprüfungen finden an Ort und Stelle bei den Vereinen statt und werden von zertifizierten Prüferinnen und Prüfern durchgeführt. "Nur wenige Hunde sind vom Charakter her überhaupt für eine Schutzhundeausbildung geeignet", meinte Rauch.

Verpflichtender Strafregisterauszug

Für Halterinnen und Halter wird ebenfalls eine Qualitätssicherung im Rahmen einer Prüfung eingeführt sowie eine Verpflichtung, einen Strafregisterauszug vorzulegen. Die Prüfung soll für die Betroffenen österreichweit leicht zugänglich sein. Auch diese Inhalte werden von Expertinnen und Experten gemeinsam mit den betroffenen Verbänden erarbeitet. Alle an der Ausbildung oder am Beiß- und Angriffstraining beteiligten Personen benötigen künftig eine Ausbildung und Zertifizierung. Die Prüferinnen und Prüfer werden von einer unabhängigen, wissenschaftlichen Stelle zertifiziert.

Strafen für illegalen Welpenkauf

Mit der neuen Novelle soll auch weiter dem illegalen Welpenhandel der Kampf angesagt werden. Zukünftig wird nicht nur der Verkauf von illegalen Tieren, sondern auch der Kauf unter Strafe gestellt sein. "Die Tiere werden unter wirklich unvorstellbaren Bedingungen gezüchtet", sagte der Minister. "Der Erwerb solcher Tiere aus zwielichtigen Quellen - via Kofferraum, via Bestellung, auf Autobahnparkplätzen, im Internet - soll schlicht unterbunden werden, weil damit massives Tierleid verbunden ist."

Zucht nur mit gesunden Tieren

Mit der neuen Novelle soll auch der Qualzucht ein Ende gesetzt werden. Die Tiere aus einer solchen Zucht kämpfen oft mit schweren Gesundheitsproblemen wie zu kurzen Schnauzen, ständiger Atemnot oder kaputten Gelenken. "Wir richten eine Qualzucht-Kommission ein", kündigte Rauch an. "Sie wird die Merkmale von Qualzucht nach streng wissenschaftlichen Standards festlegen. Denn bei der Qualzucht, das wissen wir, steckt der Teufel sehr im Detail." Diese Kommission mit eigener Geschäftsstelle wird auch Zuchtprogramme von Verbänden überprüfen und die Vollzugsorgane unterstützen. Mit dieser Grundlage können die Behörden künftig gegen Züchterinnen und Züchter vorgehen, die solche Tiere zur Zucht einsetzen. Wie auch bisher enthält der Gesetzesvorschlag ein klares Ausstellungs- und Werbeverbot von Tieren mit Qualzuchtmerkmalen. Es kann dann sein, dass künftig bestimmte Rassen von der Zucht ausgeschlossen sind, wenn Merkmale - wie etwa bereits jahrelang kurz gezüchtete Schnauzen - schon zu weit fortgeschritten sind. "Nur gesunde Tiere" sollen zur Zucht zugelassen sein, so Rauch.

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