Philippinen: Diktatorensohn Marcos gewinnt Wahl

Auf den Philippinen zeichnet sich eine Rückkehr an die Macht der einst aus dem Land gejagten Marcos-Dynastie ab.
Autor: APA Politik, 10.05.2022 um 08:59 Uhr

Nach inoffiziellen Ergebnissen von Dienstagfrüh bekam Ferdinand "Bongbong" Marcos Jr. nach Auszählung von 96,55 Prozent der Stimmen mehr als doppelt so viele Stimmen wie seine schärfste Konkurrentin, die Oppositionsführerin Leni Robredo. An dritter Stelle lag weit abgeschlagen der frühere Box-Weltmeister Manny Pacquiao. Damit wird die Marcos-Dynastie 36 Jahre nach ihrer Vertreibung aus dem Inselstaat aller Wahrscheinlichkeit nach in den Malacañang-Palast in der Hauptstadt Manila zurückkehren. Offizielle Ergebnisse kann aber nur der Kongress (bestehend aus Senat und Abgeordnetenhaus) verkünden. Dies wird erst für Ende Mai erwartet.

Duterte durfte nicht mehr kandidieren

Rund 67 Millionen Bürger waren am Montag zur Wahl eines Nachfolgers für den scheidenden Präsidenten Rodrigo Duterte aufgerufen. Der Politiker ist international wegen seines brutalen Kampfes gegen Drogenkriminalität umstritten. Laut Verfassung durfte er nach sechs Jahren nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren. Allerdings lag seine Tochter Sara Duterte-Carpio, derzeit Bürgermeisterin der Millionenstadt Davao im Süden des Landes, bei der Wahl zur Vizepräsidentschaft mit großem Abstand vorne. Sie hatte an der Seite von Marcos Jr. kandidiert.

Junge Wähler angelockt

Der 64-Jährige war im Wahlkampf in sozialen Netzwerken wie TikTok und YouTube aktiv, wo er Millionen Follower hat. Dort lockte er vor allem junge Wähler - die keine Erinnerung an das Regime haben - mit einem verklärten Blick auf die Vergangenheit und dem Traum von einem vermeintlichen "goldenen Zeitalter". Politische Beobachter hatten im Vorfeld gewarnt, dass der südostasiatische Staat unter der Führung von "Bongbong" Marcos (oder kurz: BBM) in eine noch autoritärere Richtung steuern könnte. Auch hat er bereits erklärt, Dutertes Kampf gegen Drogen fortführen zu wollen. Das Marcos-Regime unter Ferdinand (1917-1989) und seiner für ihren Schuhtick bekannten Frau Imelda (heute 92 Jahre alt) machte einst mit Mord, Kleptokratie und dem spurlosen Verschwinden politischer Gegner von sich reden.