NATO legt nach: Mehr Ukraine-Hilfe angekündigt

Die NATO will auf die verheerenden russischen Raketenangriffe gegen zivile Infrastruktur in der Ukraine mit einem weiteren Ausbau der Unterstützung antworten.
Autor: APA Politik, 29.11.2022 um 17:05 Uhr

 Generalsekretär Jens Stoltenberg am Rande von Beratungen mit den Außenminister der 30 Bündnisstaaten in Bukarest:

Wir sehen, dass Präsident Putin versucht, den Winter als Kriegswaffe einzusetzen.

Deswegen müsse man die Unterstützung ausbauen.

Infrastruktur, Flugabwehr

Als Beispiele nannte der Norweger Hilfe bei der Reparatur von zerstörten Gas- und Elektrizitätsnetzen sowie die Lieferung von Munition, Ersatzteilen und zusätzlichen Flugabwehrsystemen. Es müsse sichergestellt werden, dass Raketen und Drohnen abgefangen werden könnten, sagte er. An diesem Mittwoch kommt Stoltenberg für zwei Tage zu Gesprächen nach Berlin. Dabei wird es auch um weitere deutsche Unterstützung nach mehr als neun Monaten Krieg gehen.

"Kreative" Hilfe aus Deutschland

Nach Angaben der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock wird derzeit unter anderem geprüft, ob für die Notversorgung der Ukraine mit Strom Zugtechnik genutzt werden kann. Man zerbreche sich den Kopf, wie man Generatoren aus Eisenbahnloks ausbauen und dann mit Lastwagen oder Zügen in die Ukraine transportieren könne, sagte die Grünen-Politikerin in der rumänischen Hauptstadt. Das Land brauche große Generatoren, um die Leistung der zerbombten Kraftwerke zu ersetzen. Neben Geld sei auch "jegliche Kreativität" gefragt.

Den russischen Angriffskrieg gegen das Nachbarland beschrieb Baerbock als "Bruch der Zivilisation" - ein Begriff, der oft als Beschreibung für den Holocaust gebraucht wird, die nahezu weltweit gebräuchliche Bezeichnung für den Völkermord an Europas jüdischer Bevölkerung durch die Nationalsozialisten mit etwa sechs Millionen Toten.

Baerbock sagte:

Dass dieser brutale Bruch der Zivilisation so geführt wird - also ich hätte mir das in den letzten Jahren niemals vorstellen können. (...) Wenn gezielt Infrastruktur bombardiert wird, dann nimmt man mutwillig in Kauf, dass Kinder, dass Alte, dass Familien erfrieren, dass sie verdursten, dass sie verhungern.

Skeptisch äußerte sich die Ministerin zu dem Vorschlag Polens, deutsche Patriot-Flugabwehrsysteme in der Ukraine zu stationieren. Man müsse sicherstellen, dass man auch im Bündnisgebiet noch genügend Material habe.