Mariupol: Sturm auf Stahlwerk hat begonnen

In der Fabrik sollen sich nach russischen Angaben rund ukrainische 2.500 Kämpfer verschanzt haben, darunter auch 400 ausländische Söldner.
Autor: APA Politik, 19.04.2022 um 13:57 Uhr

In der Hafenstadt Mariupol hat nach Angaben pro-russischer Separatisten die Erstürmung des Stahlwerks „Asovstal“ begonnen. Ukrainischen Medien zufolge sollen in der Fabrik neben 2.500 Verteidigern auch noch rund 1.000 Zivilisten ausharren, unter ihnen auch Frauen und Kinder. Nach Angaben der Separatisten versucht ein russisches Spezialkommando das Werksgelände zu stürmen, wie die Nachrichtenagentur RIA berichtet.

Kein Abzug für Zivilisten

Die Ukraine hatte kritisiert, dass Russland Bitten ausgeschlagen habe, dort einen humanitären Korridor einzurichten, damit sich Zivilisten, die in dem Stahlwerk Zuflucht gesucht hatten, in Sicherheit bringen können. Das russische Verteidigungsministerium wies Berichte zurück, dass es dort Frauen, Kinder und andere Zivilisten gebe. Wenig später teilte die Behörde in Moskau mit, aus "rein humanen Prinzipien" noch eine Chance zur Kapitulation zu geben. Der Separatistenvertreter Eduard Bassurin behauptete ebenfalls, es gebe keine Zivilisten in dem Werk. Ukrainische Nationalisten hätten dies vorgebracht, um eine Erstürmung zu verhindern. Ukrainische Medien hatten wiederholt nicht überprüfbare Bilder auch von Kindern gezeigt, die sich in dem Werk aufhalten sollen.

Ultimatum bis 15 Uhr

Die Regierung in Kiew wurde aufgerufen, "Vernunft walten zu lassen und den Kämpfern entsprechende Anweisungen zu geben, diese sinnlose Konfrontation zu beenden". Wenn der Befehl aus Kiew ausbleibe, sollten die Soldaten und Söldner von sich aus aufgeben. Wie andere Kämpfer in Mariupol, die aufgegeben hätten, sollten sie sich in russische Gefangenschaft begeben, hieß es. Demnach sollte von 12.00 Uhr MESZ an eine Standleitung für die Kommunikation zwischen der russischen und ukrainischen Seite eingerichtet werden. Danach sollte eine Feuerpause von beiden Seiten in Kraft treten. Dazu sollten von ukrainischer Seite an dem Stahlwerk weiße Flaggen angebracht werden. Von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr MESZ hätten die Kämpfer Zeit, das Werk ohne Waffen zu verlassen.