Lehrer kritisieren neue Lehrpläne als abgehoben

Die neuen Lehrpläne für die Volks- und Mittelschule bzw. AHS-Unterstufe seien "unleserlich" und „praxisfremd“ sagen die Lehrergewerkschafter.
Autor: APA Politik, 20.09.2022 um 09:47 Uhr

Man würde rund 125.000 "Wunderwuzzis" brauchen, um die neuen Lehrpläne umzusetzen, heißt es in der Stellungnahme der Pflichtschullehrergewerkschaft zu den Entwürfen, deren Begutachtungsfrist am Montag endete. Ähnlich äußerten sich auch die AHS-Lehrer. An diesen Lehrplänen für alle Fächer der Volksschule, Mittelschule und AHS-Unterstufe wird seit 2018 gearbeitet. Sie sollen ab 2023/24 gelten. Technisch sind sie Verordnungen, die vom jeweiligen Bildungsminister erlassen werden.

„Zu große Klassen, zu viele Nationalitäten“

Darin wird zwischen fachlichen, überfachlichen und fächerübergreifenden Kompetenzen unterschieden. Nach Ansicht der Gewerkschaft sind dabei die fachlichen Kompetenzen "unleserlich verfasst". Die Vermittlung „überfachlicher Kompetenzen“ wie Motivation, Selbstwahrnehmung und Vertrauen in die eigene Person bzw. soziale und lernmethodische Kompetenzen wiederum erscheine in den derzeit oft großen Klassen mit Kindern verschiedener Nationalitäten bzw. mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen "schier unmöglich".

„Entrepreneurship Education“ und mehr …

Schwer umsetzbar erscheint den Pädagogen auch die Implementierung von 13 „fächerübergreifenden Themen“ in den Unterricht. Diese reichen von „Entrepreneurship Education“ über „informatische und interkulturelle Bildung“ über „reflexive Geschlechterpädagogik“ und Gleichstellung bzw. Sexualpädagogik bis zu Verkehrsbildung und „Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung“.

Hohe Ideale

Generell bemängeln die Lehrervertreter den mangelnden Praxisbezug in den Vorgaben des Ministeriums. Zum Beispiel diese: "Lehrerinnen und Lehrer verstehen es als ihre Aufgabe, Schülerinnen und Schüler individuell wahrzunehmen und zu fördern und vermeiden stereotype Zu- und Festschreibungen. Lehrerinnen und Lehrer kennen und nutzen geeignete pädagogische Diagnoseinstrumente, um die Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler festzustellen und deren Lernprozesse entsprechend begleiten zu können (…).“ Wie sie diese hehren Ideale konkret umsetzen sollen, fragen sich die Lehrervertreter in ihrer Stellungnahme – „in einer Klasse mit bis zu 29 Schülerinnen und Schülern?“