Diplomatisches Druckmittel: Iran könnte Atombombe bauen

Teheran hat den Anreicherungsgrad seines Urans auf 60 Prozent erhöht und gibt an, dass auch 90 Prozent möglich seien.
Autor: APA Politik, 01.08.2022 um 10:42 Uhr

Der Iran ist nach eigenen Angaben technisch in der Lage, eine Atombombe zu produzieren. Das Land beabsichtige aber nicht, dies zu tun, zitierte die halbamtliche Nachrichtenagentur FARS den Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Mohammad Eslami. Der Westen bemüht sich seit längerem, das internationale Atomabkommen von 2015 zu retten. Das Abkommen steht auf der Kippe, seit es 2018 der damalige US-Präsident Donald Trump einseitig aufgekündigt sowie erneut US-Sanktionen gegen den Iran verhängt hatte. Der Iran begann daraufhin damit, nach und nach gegen seine Zusagen (zum Beispiel den Anreicherungsgrad betreffend) zu verstoßen.

Teheran will verhandeln

Nun signalisierte das Land zudem seine Bereitschaft für die Wiederaufnahme der Atomverhandlungen. "Wir haben in den letzten Tagen wichtige Botschaften erhalten (... ) Es besteht in der Tat schon bald die Möglichkeit für neue Verhandlungen", sagte Außenamtssprecher Nasser Kanaani am Montag in Teheran. Der Iran wolle definitiv ein Ende des Atomstreits und eine umfassende Einigung. Wann und wo die neuen Verhandlungen stattfinden werden, sagte der Sprecher nicht. Auch Atomchefunterhändler Ali Bagheri twitterte: "Wir sind bereit, die Verhandlungen kurzfristig zu einem Abschluss zu bringen."

Streitobjekt Revolutionsgarden

Die Verhandlungen über eine Wiederbelebung des 2015 geschlossenen Abkommens zwischen dem Iran und den sechs Vertragspartnern - China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und USA - stocken seit März. Streitpunkte sind unter anderem die Aufhebung der US-Sanktionen gegen den Iran sowie der Status der iranischen Revolutionsgarden (IRGC). In den USA stehen die Revolutionsgarden, die im Iran als die nationale Streitkraft gelten, seit Jahren auf einer Liste von Terrororganisationen. Bei einem Scheitern der Verhandlungen will der Iran auch die Zusammenarbeit mit der in Wien ansässigen Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zu überdenken. Die iranische Atomorganisation hat bereits die IAEA-Überwachungskameras im Land versiegelt und will diese erst dann wieder freigegeben, wenn eine Einigung im Atomstreit erzielt worden ist.