"Ibiza-Detektiv": Bis zu 15 Jahre Haft

Der 40-Jährige soll laut Anklage mehr als ein Kilo Kokain weitergegeben haben. Die Befragung der Hauptbelastungszeugin war schwierig, ihre Angaben widersprachen sich mitunter.  Die Verhandlung wurde erneut vertagt.

Kokaindeals im Zentrum der Ermittlungen

Der Privatdetektiv soll laut Staatsanwaltschaft 2017 und 2018 insgesamt 1,25 Kilo Kokain mit einem Reinheitsgehalt von zumindest 70 Prozent nahe Haag (Bezirk Amstetten), in Salzburg und Oberösterreich zu einem Grammpreis von 40 Euro an einen Bekannten übergeben haben. Damit soll H. der Anklage zufolge Schulden beglichen bzw. seine triste finanzielle Situation aufgebessert haben. Das bestritt der Beschuldigte. Für die Verteidigung sind die Vorwürfe konstruiert.

Zeugin mit der Pistole bedroht?

Belastet wird der in U-Haft sitzende Angeklagte von zwei Zeugen. Der Mann und seine ehemalige Geliebte waren vor rund einem Jahr wegen Drogendelikten verurteilt worden. Die Slowakin, deren Einvernahme am ersten Verhandlungstag  aufgrund psychischer Probleme abgebrochen werden musste, wurde jetzt auf ihren Wunsch hin in Abwesenheit des Angeklagten befragt. Ihre Angst vor dem Beschuldigten erklärte sie damit, dass er sie mit einer Pistole bedroht habe.

Nachfragen des Richters

Der Richter bezeichnete die Aussagen der Zeugin zum Zeitpunkt von Übergaben und zur Drogenmenge am Mittwoch als "äußerst konfus". Eine Weitergabe von einem halben Kilo Kokain in Oberösterreich habe sie erst in ihrer achten oder neunten Einvernahme erwähnt. Am Mittwoch sprach die Zeugin zunächst von zwei und dann erst auf Nachfrage des Richters von drei Übergaben, bei denen sie dabei gewesen sein soll. "Der Druck auf mich ist enorm", lautete die Begründung der Frau. Schließlich wurde die Einvernahme unterbrochen und es wurden in Folge andere Zeugen befragt.

Wer sagt die Wahrheit?

Die Aussagen der beiden Belastungszeugen stehen teilweise im Widerspruch. Der Abnehmer des Kokains hatte das am ersten Verhandlungstag mit psychischen Problemen der Frau begründet. Der Angeklagte äußerte hingegen die Vermutung, dass sein ehemaliger Geschäftspartner für falsche Vorwürfe gegen ihn Geld bzw. nach der Verurteilung eine Fußfessel erhalten haben soll. Das bestritt der Mann. 

Dubios: der Betreiber einer Internetplattform

Ein ehemaliger Geschäftspartner des Angeklagten und des Hauptbelastungszeugen war seinen Angaben zufolge nach Veröffentlichung des Ibiza-Videos von dem Betreiber der Internetplattform kontaktiert worden. Es kam zu einem Treffen zu dritt. Die beiden erhielten zunächst 40.000 Euro und später 15.000 Euro. "Die Vereinbarung war, dass ich Informationen über das Ibiza-Video, die Hintermänner und Firmen weitergebe", sagte der Zeuge. Für falsche Vorwürfe bzw. belastende Angaben sei er nicht bezahlt worden, betonte er.

"Keine Auftraggeber"

Der Betreiber der Onlineplattform erklärte im Zeugenstand, das an die Informanten bezahlte Geld "kommt aus meiner Firmengruppe": "Es gab und gibt keinen Auftraggeber."

Die Schöffenverhandlung wurde schließlich vertagt. Bei einem Schuldspruch drohen Julian H. bis zu 15 Jahre Haft. Neben Suchtgifthandel wird dem 40-Jährigen vorgeworfen, gefälschte Dokumente verwendet zu haben.

Berühmte Villa 

Hessenthaler soll das Video hergestellt haben, das den damaligen FPÖ-Obmann und Vizekanzler Heinz-Christian Strache und FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus in einer Villa auf Ibiza im Gespräch mit einer vermeintlichen Oligarchennichte zeigt. Nach Veröffentlichung der Aufnahmen im Mai 2019 verloren nicht nur Strache und Gudenus ihre Jobs, sondern es kam auch zum Bruch der türkis-blauen Koalition. Eine Neuwahl war die Folge.

Autor: APA Politik, 13.10.2021