Dem FPÖ-Präsidentschaftskandidaten droht Ungemach

Die Konkurrenz von Gerald Grosz, Michael Brunner und sogar Marco Pogo könnten dem zukünftigen blauen Kandidaten Stimmen kosten, sagt ein Meinungsforscher.
Autor: APA Politik, 28.06.2022 um 09:23 Uhr

Die FPÖ muss bei der Bundespräsidentschaftswahl wohl mit Konkurrenz rechnen - und zwar aus dem rechten Lager, aber auch aus dem linken, wie Meinungsforscher Peter Hajek gegenüber der APA sagte. Denn auf rechter Seite könnte Ex-FPÖ/BZÖ-Politiker Gerald Grosz der FPÖ Stimmen kosten, auf impfskeptischer Seite MFG-Kandidat Michael Brunner. Und von links sieht Hajek ebenfalls Gefahr für Blau: Denn Bierpartei-Chef Dominik Wlazny ("Marco Pogo") könnte eventuell der FPÖ nahekommen. "Das größte Risiko trägt aktuell die FPÖ", sagte Hajek zur derzeitigen Lage in Hinblick auf die Präsidentschaftswahl am 9. Oktober. "Außer sie kommen mit einem echten Karnickel aus dem Hut", spielte er auf die noch immer offene Kandidaten-Frage der Freiheitlichen an. Bis zuletzt hüllte sich die FPÖ in Schweigen, was ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin betrifft - als präsidiabel genannt wurde seitens Parteichef Herbert Kickl in den letzten Wochen Verfassungssprecherin Susanne Fürst. Andere Gerüchte, etwa über eine Kandidatur von "Krone"-Kolumnist Tassilo Wallentin für die FPÖ, wies Kickl zurück; seine eigene Kandidatur schloss er wiederholt aus.

Parteiinterne Gefahr für Kickl

Dass die FPÖ nach wie vor keine Entscheidung präsentiert hat, deutet laut Hajek darauf hin, dass sie keinen Kandidaten findet. Hajek sieht darin eine mögliche Gefahr für Kickl, parteiintern unter Druck zu kommen - immerhin hat er ja selbst ein blaues Antreten als fix angekündigt. "Es könnte sein, dass interne Kritiker auf den Gedanken kommen, 'du hast gesagt, wir treten an - wir haben keinen Kandidaten, also trittst du an'". "Diese vollmundige Ankündigung einer Kandidatur könnte zum Selbst-Faller werden", so Hajek.

MFG hat ähnliche Positionen wie FPÖ

Gleichzeitig wies Hajek darauf hin, dass auch die angekündigten Kandidaturen von Grosz, Brunner (MFG) und Wlazny (alias "Marco Pogo") der FPÖ durchaus Stimmen kosten könnten. Grosz greife immerhin auf rund 500.000 Follower in den sozialen Medien zurück und komme aus dem blauen Lager. Und die MFG habe nicht nur bei Corona eine ähnliche Position wie die FPÖ, sondern auch beim Thema Neutralität und Ukraine-Krieg. "Das heißt, wir haben zwei Kandidaten, die im selben Becken wie die FPÖ fischen" - für Kickl eine "total unangenehme" Situation.

Auch die Bierpartei kann Politik

Dass Brunner, Grosz und Wlazny die für die Kandidatur notwendigen 6.000 Unterstützungserklärungen zusammenbringen, halten sowohl Hajek als auch Hofer für möglich. MFG habe ein bestehendes Netzwerk, so Hajek, Grosz müsste seine Follower in den sozialen Medien dazu bringen, aufs Gemeindeamt zu gehen und Wlazny habe schon bewiesen, dass die Bierpartei antreten kann: 2019 bei der Nationalratswahl in Wien - und ebenfalls in Wien bei den Landtags-und Gemeinderatswahlen 2020.