Österreich: Medikamente werden knapp

Durch einen Anstieg von bakteriellen Infekten gibt es Lieferengpässe bei Antibiotika.
Autor: APA Chronik, 13.10.2022 um 12:45 Uhr

Mehr Kontakte und weniger Schutzmaßnahmen lassen neben Covid-19 auch die Zahl der bakteriellen Infekte ansteigen. Die Symptome werden in der Regel mit Antibiotika behandelt – das wird nun allerdings knapp. Das Ö1-Journal berichtet, dass es derzeit immer wieder Lieferengpässe gibt. Das Arzneimittel Azithromycin etwa sei aktuell nicht zu bekommen. Viele andere Antibiotika gebe es laut Jürgen Rehak, Vizepräsident der Apothekerkammer, gerade nur sehr eingeschränkt.

Doppelt so viel Antibiotika verbraucht

"Wir haben heuer in den ersten neun Monaten des Jahres doppelt so viel an Antibiotika gebraucht wie im Jahr davor", berichtete Rehak. Den Grund dafür wisse er nicht, es können aber in Absprache mit Ärzten auch andere Produkte verwendet werden. Für Patienten sollte es daher kein großes Problem geben.

Weniger Schutzmaßnahmen, mehr bakterielle Infekte

Einen deutlichen Anstieg an bakteriellen Infektionen hat laut Morgenjournal auch der Allgemeinmediziner Oliver Lammel bemerkt. Er betreibt eine sogenannte Sentinelpraxis im steierischen Ramsau am Dachstein und nimmt bei allen Infekt-Patienten Abstriche. Diese Daten werden an der MedUni Wien ausgewertet. So wird österreichweit stichprobenartig die Verbreitung von Infektionskrankheiten überwacht. „Also man erkennt schon, dass im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021 die bakteriellen Infekte zugenommen haben. In meiner Praxis habe ich um 21 Prozent mehr Antibiotika verschrieben."

Ein Zusammenhang mit dem Wegfall der Corona-Schutzmaßnahmen liege nahe. Die Maßnahmen hätten die Gesamtanzahl von Infektionen deutlich gesenkt, erinnerte Rehak: „Es hat kaum einen Influenza-Fall gegeben, es hat kaum einen normalen Schnupfen gegeben. Die Leute sind alle mit dieser Schutzvorrichtung herumgelaufen und damit waren sie auch geschützt."