Nachhaltig leben: Diese Maßnahmen bringen am meisten

Nachhaltig leben - wozu eigentlich? Und vor allem wie? Tipps, wie man den größten Fallen entgeht und trotzdem noch Freude an Ernährung, Mobilität und Mode hat.
Autor: Sarah Füßlberger, 09.05.2022 um 00:50 Uhr

Was man heutzutage nicht alles müssen soll: an die Zukunft denken, seine Gewohnheiten ändern - nachhaltiger leben. Können Sie es noch hören? Hand aufs Herz: Wem gefällt es schon, wenn sein Verhalten kritisiert wird? Noch dazu, da Veränderungen aus Erfahrung - leider ja oft zu Recht - mit Komfortverlust und Anstrengung assoziiert werden. Ganz zu schweigen von der Frage, wie man es anstellt, in ökologischer Sicht ein besserer Mensch zu werden. Als ob das ohne Weiteres ginge, von heute auf morgen sein Leben umzustellen.

Fakt ist aber auch: Mit unserer Art zu leben schaden wir unserem Planeten. Die beruhigende Nachricht: Jeder noch so kleine Schritt ist einer in die richtige Richtung. Vor allem die folgenden, die sich relativ einfach und schnell im Alltag umsetzen lassen und diesen sogar beleben können.

Auf Kaffee am Morgen verzichten

Klingt unmöglich? Vielleicht nicht mehr, wenn Sie wissen, dass die Herstellung von Kaffee unglaublich viel CO2 erzeugt, in Kombination mit tierischer Milch sogar noch mehr. Hinzu kommt, dass es auch unserer Gesundheit guttut, auf Kaffee am Morgen zu verzichten. Denn gerade nach dem Aufstehen produziert unser Körper emsig das Muntermach-Hormon Cortisol. Ausgerechnet Kaffee unterdrückt dessen Ausschüttung - ist also so gesehen absolut kontraproduktiv. Lieber nicht mehr als eine Tasse am Nachmittag und so der Umwelt und gleichzeitig sich selbst etwas Gutes tun!

Junge Frau trinkt während der Arbeit am Notebook eine Tasse Kaffee | Credit: iStock.com/Halfpoint

Zu Fuß gehen und Radfahren

Kleinere Strecken zur Erledigung von Einkäufen, zum Treff mit Freunden oder zur Arbeit unter 5 Kilometer sollten zu Fuß oder mit dem Rad (und da geht sogar noch mehr) bewältigbar sein.

Die ökologische Alternative zum Auto nimmt immerhin nur unwesentlich mehr Zeit in Anspruch, wenn man folgende Faktoren bedenkt:

  • Staus
  • Ampeln
  • Rücksichtslose Verkehrsteilnehmer
  • Parkplatzsuche sowie Aus- und Einparken auf kleinen, engen Stellplätzen

Wie viel stressfreier könnte das Leben sein, wenn das alles wegfällt?

Ein positiver Nebenaspekt: Die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen 10.000 Schritte am Tag sind plötzlich kein unerreichbares Ziel mehr.

Ab einer gewissen Entfernung wird man vermutlich nicht immer um das Auto herumkommen. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten zur umweltfreundlicheren Nutzung. Ist das Klimaticket keine Option, wie wäre es mit Carsharing oder damit, Fahrgemeinschaften zu bilden? Schont nicht nur die Umwelt, sondern auch das Geldbörserl, nicht zuletzt bei den hohen Spritpreisen.

Junge Frau überquert die Straße | Credit: iStock.com/iprogressman

Nicht nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum gehen

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist ein Richtwert, nicht die Lizenz zur Entsorgung - Ansehen, Riechen, Kosten ist immer noch eine altbewährte, sichere Strategie, um herauszufinden, ob Lebensmittel noch genießbar sind, denn unsere Sinne täuschen uns nicht.

Grundsätzlich sollte man nach folgenden Leitsprüchen einkaufen:

  • Biologisch
  • Regional und saisonal
  • Tierische Produkte (vor allem Fleisch) reduzieren

Warum? Weil diese Faktoren das Leid von Natur, Tier und Mensch minimieren, wie man an den folgenden Beispielen sehen kann:

  • Während Erdbeeren innerhalb der heimischen Saison von Mai bis Juli 0,4 Kilogramm CO2 pro Kilogramm produzieren, verursachen sie davor und danach 3,4 Kilogramm.
  • Legen Chiasamen oder Kokosraspeln tausende Kilometer zurück, bevor sie im Supermarktregal landen, haben Brennnessel- oder Leinsamen als regionale Produkte vergleichbare Superfood-Kräfte.
  • Belasten kommerziell produzierte Lebensmittel durch Einsatz von synthetischen Pestiziden die Umwelt und das Grundwasser, tun das biologisch erzeugte nicht.
  • Während Hummus unter 1 Kilogramm CO2 pro Kilogramm zur Herstellung benötigt, sind es bei Käse 6, bei Schinken sogar 9!

Unabhängig davon, was man kauft, sollte das Erworbene auch wirklich konsumiert oder verwertet werden, denn nichts ist so umweltschädlich wie unnötig produzierte Lebensmittel, für deren Herstellung viel Energie benötigt wurde. Dazu lohnt es sich, für sich herauszufinden, wie man Lebensmittel, die demnächst ablaufen oder schon lange im Kühlschrank hausen, in Mahlzeiten schmackhaft integrieren oder zu "Resterlessen" verarbeiten kann.

Hier einige Beispiele:

  • Frittata mit Gemüse, Käse- oder Wurstresten füllen
  • Bananen zu Bananenbrot oder Bananenkeksen verarbeiten
  • Milch zu süßen oder pikanten Palatschinken zubereiten
Junge Frau sucht nach Lebensmitteln in ihrem Kühlschrank | Credit: iStock.com/Nikodash

Fast Fashion den Kampf ansagen

Um Fast Fashion entgegenzuwirken, lohnt es sich, zunächst einen Blick in den Kleiderschrank zu werfen. Wir besitzen viel mehr als uns bewusst ist und können das, was wir bereits haben, auf neue Art und Weise kombinieren oder redesignen, wodurch es gewissermaßen wieder wie "neu" ist.

Wie man Kleidung nachhaltig kauft? Am besten nach der Devise "Weniger ist mehr". Anstatt sich das hundertste nichtssagende T-Shirt zu kaufen, dessen Material Allergien auslösen könnte oder krank macht, investiert man besser in zeitlose, wertige Kleidungsstücke aus nachhaltiger Produktion oder zweiter Hand. Zumal es gerade voll im Trend ist, in Second-Hand-Läden einzukaufen.

Junge Frau sichtet ihre Garderobe | Credit: iStock.com/brizmaker

Nachhaltig leben ist machbar

Nachhaltig leben - klingt gar nicht so schlimm und vor allem schaffbar, was meinen Sie? Belohnt werden wir mit der einen oder anderen Erfahrung und Begegnung, die wir normalerweise nicht erlebt hätten. Wenn es das allein nicht schon wert ist, geliebte Gewohnheiten aufzugeben!

Zur Autorin

Im Rahmen ihres Philosophie-Studiums geht Passion Author Sarah Füßlberger den Dingen gerne auf den Grund. Für www.weekend.at widmet hinterfragt sie die vielfältigen Entscheidungen, die wir Tag für Tag mit Blick auf unsere Lebensweise mehr oder weniger bewusst treffen.