Werners Autoblog: Seniorenauto?

Beim Autokauf im Internet liest man immer wieder: „Seniorenauto“. Ist ­damit womöglich ein Auto eines 110-Jährigen gemeint, das die letzten 40 Jahre vor sich hingammelte? Bei der Kreuzung wurde wahrscheinlich immer brav die Kupplung geschliffen, damit diese scharf bleibt. Aha, das gute Stück soll angeblich besonders pfleglich behandelt worden sein.   Oder vielleicht ist es doch ein Pflegefall – also das Auto, nicht der Besitzer. Irgendwie ein blöder Begriff. Nicht zuletzt auch deshalb, weil  sich heute unter 100-Jährige ohnehin nicht als Senioren fühlen. Wobei der Begriff „Anfängerauto“ bei mir auch andere Bilder im Kopf erzeugt als gewollt. Klingt für mich nach: „Die Krax’n ist ohnehin schon dermaßen zer­depscht, dass eine Beule mehr und oder ein Überschlag sowieso nix mehr ausmachen, da die Karre aus dem letzten Loch pfeift.“ Nicht zu finden sind „Männerautos“ in solchen Anzeigen. Weil diese von vornherein nach zu Tode getretenem PS-Monster mit stinkenden Bierdosen im Cockpit klingen. Und ein Frauenauto anzubieten wäre wahrscheinlich genauso aus der Zeit gerissen. Nicht selten liest man: „Optimales Studentenauto“. Ein intelligentes Auto? Billigst? Will sonst keiner mehr? Im Grunde sind alle diese Bezeichnungen ganz leicht deppert und sagen gar nix über den wirklichen Zustand des Autos aus. Mein nächstes Auto, das ich verkaufe, nenne ich Journalistenauto. Klingt doch echt gut! Ja, stimmt, gehört auch in die Kategorie Fake News …

Autor: Werner Christl, 06.10.2021