Werners Auto-Blog: Unterwegs mit Fahrschüler und L-Tafel

Sei Kurzem fahre ich mit meinem Sohn als Freizeitfahrlehrer mit einem blauen L-Taferl. Ein absoluter Horror! Nein, sicher nicht weil Sohnemann schlecht fährt, sondern ich vom Beifahrersitz aus plötzlich den Wahnsinn in der Stadt, der sich da vor der Motorhaube aufbläht, ganz anders wahrnehme. Abgesehen von einem halb wahnsinnigen Vater, der in einer völlig unübersichtlichen Innenkurve mit einem Zwillingskinderwagen mitten auf der Straße geht, massig vielen Vorfahrt-Ignorierern, einem Fingerzeiger und anderen Nettigkeiten, ist die Einhaltung von Geschwindigkeitsbeschränkungen eine Art Verbrechen. Da wird hinten aufgefahren, dass man die Amalgamplomben des Verfolgers im Rückspiegel sehen kann.

Auffahrer. Vielleicht sind die Auffahrer aber nur leicht „schasaugert“ und können das riesige „L“ in der Heckscheibe nicht lesen. Unterm Strich ist es heute ohnehin ein Wunder, wenn jemand noch mit dem Auto in der Stadt fahren will. Radfahrer, Autos, Busse, Bim, Fußgänger wurschteln sich in Massen durch die Straßen. Der Schilderwald ist zum Dickicht geworden. Alleine die Zusatzromane an Parkverboten zu lesen dauert Minuten. Im Grunde ist man als Autofahrer durchgehend im Multitasking-Modus. Ein Wahnsinn! Meinem Sohn sage ich das aber nicht, sonst vergeht ihm die Freude am Fahren. So sitze ich halt am Beifahrersitz – mit gesträubten Haaren, Adrenalinschüben – und erlebe den Irrsinn erste Reihe fußfrei.

Autor: Werner Christl, 27.05.2021