Werners Auto-Blog: Das Auto als Spiegelbild

... Mein erstes Auto musste ich um umgerechnet sieben Euro an den Schrotthändler verkaufen. Das zweite konnte ich wie Fred Feuerstein bewegen, weil der Unterboden durchgerostet war – es landete am Autofriedhof. Das dritte habe ich verkauft und deshalb heute noch Gewissensbisse. Ich war halt abgebrannt wie eine Christbaumkerze und fühlte mich, als käme ich vom Schrottplatz. Etwas später wurden die Autos größer und teurer. Ich selbst wurde zwar nicht größer, aber der finanzielle Rahmen. Das gipfelte in einem Cabrio. Ich war dementsprechend cool unterwegs. Das Coole kam mir mit der Geburt des ersten Kindes abhanden. Da zählt Vernunft und das gipfelte in Kombi und Van. In dieser Zeit spiegelte ich den Innenraum meines Autos wider. Der war wegen kindlicher Abfälle, Windeln, Essensresten genauso verwahrlost wie mein Antlitz, das aufgrund des Schlafentzugs zusehends alterte. Etwas Coolness kam dann in Form der SUV-Welle. Derzeit bin ich oft mit einem Kleinstwagen und dem Mountainbike unterwegs. Man passt sich halt der Klimakrise an. Und wie geht es weiter? Kommt womöglich die Midlife-Crisis in Form eines Sportwagens. Jedenfalls hatte ich gestern einen Albtraum! Ich sah mich in der Zukunft – nein, nicht im Porsche –, ich fuhr mit einem Rollator! Was will mir dieser Traum wohl sagen …

Autor: Werner Christl , 01.09.2020