Test: Hyundai Grand Santa Fe 2.2 CRDi 4WD - Das koreanische Flagschiff

Die Reaktionen auf den Grand Santa Fe sind eigentlich immer gleich. „Der ist aber schon groß, oder?“ Meine Antwort war auch immer die gleiche: „4,9 Meter ist der große Santa Fe lang, er fährt sich aber überraschend wendig. Vor allem kann man Frau, zwei Kinder, Oma und Opa und wenn es sein muss sogar die liebe Schwiegermutti ins Fahrzeug packen.“ Tatsächlich klappt einem das Unterkiefer runter, wenn man die Heckklappe nach oben klappt. 634 bis 1.842 Liter Ladegut lassen sich unterbringen! Die Platzverhältnisse sind vorne und hinten vorbildlich. Nur in der dritten Reihe ist es etwas eng, jedoch sitzt man besser als in anderen Siebensitzern. Die „Gegner“ sind also gleich ausgemacht. Es handelt sich um die großen SUVs wie BMW X5 oder VW Touareg.

Was ist neu. Zum einen wurde das Design leicht ­geschärft. LED-Nebelscheinwerfer, LED-Tagfahrlicht oder die neuen LED-Heckleuchten gehören zum Facelift. Auch im Bereich der Mittelkonsole, sowie beim TFT-Screen wurde Hand angelegt. Sicherheitstechnisch ist eigentlich alles an Bord, was notwendig ist. Der autonome Bremsassistent bremst notfalls selbstständig, ein Toter-Winkel-Assistent ist auch vorhanden, genauso wie ein Spurwechsel-Assistent. Interessant auch die Querverkehrswarnung. Diese warnt beim Rückwärtsausparken vor dem Querverkehr. Ein System, das wirklich Sinn macht. Aufpreispolitik sieht im Falle des Koreaners so aus: alles serienmäßig mit dabei. 360-Grad-Übersichtskamera, Abstandsregelautomat, Bergab- und Bergauffahrhilfe, Anhänger-Stabi­litätskontrolle, beheizbares Lederlenkrad, belüftete Frontsitze, Navisystem, Panorama Glas-/Hubschiebedach, Privacy, 19-Zoll-Leichtmetallfelgen usw. So gesehen ist der verlängerte Santa Fe verglichen mit der Konkurrenz dieser Klasse ein doch preiswertes Auto (EUR 58.990,–). Mag sein, dass ein deutsches SUV der Premiumklasse beispielsweise im Innenraum pompöser und „teurer“ auftritt, aber die damit einhergehende Aufpreisliste hinterlässt einen schmerzlichen Fußabdruck am Bankkonto. Der Grand Santa Fe ist in jedem Fall ein Konkurrent auf Augenhöhe. ­Allerdings gibt es den Ko­reaner nur in einer Moto­risierungsvariante. Fahren. Der 200 PS Diesel mit 2,2-Litern Hubraum liefert immerhin 440 Newtonmeter Drehmoment und knackt den Hunderter in zehn Sekunden. Die üblichen Verzögerungen beim Anfahren durch das Zusammenspiel von Automatik, Start-Stopp und Diesel „bietet“ auch der Koreaner. Vielleicht könnte der Kickdown ebenfalls flotter passieren. Das Fahrwerk ist sehr komfor­tabel ausgelegt und gibt sich gutmütig. Die 6-Gang-Automatik schaltet ruckfrei, und der Allrad hält sich brav im Hintergrund. Was uns wirklich überraschte: Der doch relativ lange Santa Fe lässt sich in der Stadt wendig ­bewegen. Seine Größe fällt nicht zu sehr ins Gewicht. Kurvenorgien sind für SUVs dieser Größe ohnhin nicht angesagt. Man gleitet eben nobel über den Dingen.

Testurteil. Der Verbrauch wird von Hyundai mit 7,0 Liter angegeben. Im Test waren es 8,7 Liter, wobei sich der Koreaner auf Autobahnen sehr sparsam gibt! Dort fühlt er sich sehr wohl. Fest steht: Der Hyundai Grand Santa Fe ist eine Alternative in der SUV-Premiumklasse. Ein Auto, das alles hat, was man braucht, extrem solide wirkt, gut verarbeitet ist, tolle Garantiezeiten hat und preislich in dieser Klasse die Konkurrenz unterbietet. Die Koreaner ­zeigen, dass man mit klei­neren Abstrichen ein vernünftiges Auto in der Pre­miumklasse auf die Räder stellen kann, das keine Aufpreisliste benötigt. Hyundai nennt dies „Modern Premium“. Ein Auto, mit Premiumanspruch, das dennoch mit Vernunft vorfährt.

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Autor: Werner Christl , 05.09.2016