Test: Ford Mustang 5.0l V8 - Der geilste Mustang seit 1964!

Unter dieser roten ­Motorhaube lebt eine ­riesige Pferde-Herde. Exakt 422 Mustangs treten notfalls Richtung Hinterräder und versetzen den Amerikaner in Galopp. Während andere Autos den Käufer mit fünf Litern Verbrauch locken, lockt ein Ford Mustang mit fünf Liter Hubraum. Diese haben unter anderem Auswirkungen auf den Motorsound. Europäische Sportwagen röhren, brüllen mitunter fast hysterisch Richtung Ohr. Der US-Boy gibt sich pompös grollend wie ein herannahendes Gewitter. Blitz und Donner kommen dann beim durchgetretenen Gaspedal, denn die 524 Newtonmeter Drehmoment treten einen wie Pferdehufe in den Rücken. Beim Blick unter die Motorhaube, wo der riesige V8 sitzt, fragt man sich, warum das Auto nicht das Heck in die Höhe hält – ein wirklich dickes Aggregat, das da vorne lebt und bebt.

Cruisen. Auch wenn der Mustang ein Wilder ist, eignet er sich extrem gut zum Cruisen – ein Amerikaner eben. Auch die „Leder-Sportsitze“ sind komfortabel ausgelegt und umklammern den Rücken nicht allzu stark. Und wer auf der Landstraße mit 80 Sachen dahingleitet, klopft schon mal auf den Drehzahlmesser, denn da lümmeln die Zylinder faktisch durch die Gegend. Mehr als 1.000 Umdrehungen sind nicht nötig, um dem Horizont entgegenzugleiten. Da haben die meisten Autos im Leerlauf eine hö­here Drehzahl. Wer aber den Mustang tritt, wird eben auch von diesem getreten. Der Mustang lässt dann das Hinterteil schwänzeln. Vor allem ist es nicht unbedingt empfehlenswert, durch Drücken des Fahrmodus-Buttons das ESP zu weit zurückzudrängen. Da bockt unser Superpony doch etwas, denn 422 Pferde hinterlassen Furchen im Asphalt. Noch ein lustiges Detail zu den Fahrmodi: Der Fahrer kann zwischen Normal, Sport+, Gelände und Eis-Schnee wählen. Äh, Gelände? Nein, der Mustang ist kein Gelände- wagen. Man hat nur „Track“ mit Gelände übersetzt – gemeint ist wohl eher die Rennstrecke. Das Fahrwerk ist ­europäisch abgestimmt, hat aber einen sehr starken amerikanischen Touch. Im Testfahrzeug war übrigens ein äußerst knackiges 6-Gang-Schaltgetriebe verbaut. Auf Wunsch gibt es eine 6-Gang-Automatik mit Schaltwippen.

Verbrauch. Natürlich ist ein Wildpferd relativ durstig. Die Zahl 5.0, die groß am Kotflügel thront, ist kein Hinweis auf den Verbrauch. Fünf Liter Hubtraum wollen eben auch gefüttert werden. Laut Hersteller sind es im Schnitt 13,6 Liter. In der Stadt 20 und auf der Landstraße 9,8. So gesehen ist in heutigen Zeiten die 2,3-Liter-EcoBoost-Version (317 PS!) des Mustang die klügere Wahl. Der genehmigt sich im Schnitt um die acht Liter. Wobei sich die Fünf- liter-Version auf Autobahnen mit einigermaßen erträglichem Verbrauch zufrieden gegeben hat. Der Motor kommt ja kaum auf Drehzahlen.

Alltag. Ein Cabrio ist in der Regel kein Auto für den Wochenendeinkauf. ­Allerdings schluckt der Kofferraum des Mustang überraschend viel. Das Cabriodach begnügt sich mit relativ wenig Platz. Im Gegenzug geht es auf den Rücksitzen eher eng zu, während es vorne gut passt. Auf den hinteren Rängen finden auf längeren Strecken eher nur kleinwüchsige Zeitgenossen genug Platz. Ansonsten ist der wilde Mustang ein tatsächlich alltagstaugliches Auto – wenn man nicht gerade eine Familie mit Kinderwagen besitzt.Fazit: Kein Allerwelts-Sportler, sondern ein sehr schönes Auto, das viele Emotionen mit sich bringt. Auch wenn die Zeit des V8 vorüber ist – der Sound und die Gelassenheit des 5-Liter-Aggre- gats sind überwältigend. Der heutige Mustang ist ein würdiger Nachfolger jener Sportwagen-Legende, die vor 50 Jahren erstmals auf amerikanischen Highways fuhr. Und der Preis ist eine definitive Kampfansage in Richtung europäischer Hersteller. Auch wenn die Ausstattung vielleicht nicht überkomplett ist, EUR 45.700,– für den 2,3-Liter-EcoBoost sind erstaunlich wenig in dieser Klasse. Die Cabrios starten bei EUR 50.800,–, und der getestete Fünfliter-Mustang steht ab EUR 62.900,– in der Garage. l

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Autor: Werner Christl, 05.09.2016