115 Jahre zurück: Das war der erste Škoda

Es muss nicht immer das topaktuelle Auto sein, wir blicken auch gerne in die Geschichte großer Automarken und Škoda feiert heuer das 125. Jubiläum, gleichzeitig 115 Jahre Automobilproduktion in Mlada Boleslav, dem Stammsitz.

1895 gründeten der Buchhändler Vaclav Klemet und der Schlosser Vaclav Laurin eine Firma für Fahrräder im böhmischen Mlada Boleslav - damals noch zur Habsburgermonarchie gehörend und damit streng genommen eine österreichische Firma. Nach den Wirren des ersten Weltkrieges wurde die Firma dann an Škoda verkauft und ging vollständig in ihr auf.

Bereits 1905 brachte die noch junge Firma allerdings ihr erstes Auto auf den Markt - die Voiturette A. Nach mehr als fünfjähriger Entwicklungszeit stammten alle wichtigen Komponenten aus eigener Konstruktion und Produktion. Einen ersten Ausblick auf die Voiturette A gab L&K in der 44. Ausgabe des WienerWochenblatts „Allgemeine Automobil-Zeitung“ vom 29. Oktober 1905. Der dort veröffentlichte Artikel stellte einen Prototyp der „Voiturette“ vor, der französische Begriff beschrieb ein kompaktes Automobil mit geringem Fahrzeuggewicht.

Die Serienversion der L&K Voiturette A war schließlich am Mittwoch, den 27. Dezember 1905 auf der Titelseite des böhmischen Wochenblatts „Sport a hry“ zu sehen. Redakteur Vilém Heinz stellte die Neuerscheinung aus Mladá Boleslav unter der Überschrift „Das demokratische Automobil“ ausführlich vor. Der Autor hielt unter anderem fest: „Die Voiturette von Laurin & Klement ist keine oberflächliche Konstruktion (…) Das Aussehen ist mit einem Wort hübsch, die Linien sind elegant (…) Es ist ein vollkommenes Automobil mit zwei Sitzen (…) Die Geschwindigkeit kann zwischen 5 und 45 km/h [Anmerkung: die durch die österreichische Automobilordnung vorgegebene zulässige Höchstgeschwindigkeit] geregelt werden; die Gänge sind so ausgelegt, dass man auch eine 20-prozentige Steigung hoch kommt.“ Das Fazit von Vilém Heinz fiel entsprechend positiv aus. Er fand dieses „Automobil praktisch, bequem und günstig.“

Am 18. Januar 1906 erhielt die Voiturette A ihre behördliche Zulassung für den öffentlichen Straßenverkehr und am 15. April stellte L&K das Fahrzeug auf dem Prager Automobilsalon der Öffentlichkeit vor. Der Typ A überzeugte neben seiner Konstruktion, seiner Verarbeitungsqualität und seinem Design auch durch seine Alltagstauglichkeit und das günstige Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Basisausführung kostete 3.600 Kronen, ein Arbeiter im Automobilwerk verdiente damals durchschnittlich zwei Kronen am Tag. Das Benzin, das damals kiloweise verkauft wurde, kostete in Böhmen 66 Heller pro Kilo und war damit nur wenig teurer als ein Liter Bier.

Technik

Die Basis der L&K Voiturette A bildeten ein Leiterrahmen und zwei Starrachsen mit Blattfedern. Der vorn eingebaute, wassergekühlte V2-Motor mit einem Zylinderbankwinkel von 55 Grad verfügte über 1.005 cm3 Hubraum und leistete 7 PS (5,2 kW). Eine Kegelkupplung mit Lederbelag übertrug das Drehmoment an das direkt geschaltete Dreiganggetriebe. Die Hinterräder wurden - wie bei dieser Fahrzeuggattung zu jener Zeit üblich – über eine Kardanwelle angetrieben, auf Wunsch war jedoch auch ein Kettenantrieb verfügbar. Das Verzögerung des nur etwa 500 Kilogramm leichten, wendigen Automobils erfolgte einerseits über ein Pedal, das die Trommel hinter dem Getriebe abbremste und andererseits über einen Hebel, der mit den Trommelbremsen an der Hinterachse verbunden war.

Anstelle der standardmäßigen Holzfelgen und Holzspeichen konnten sich die Kunden für Drahträder entscheiden und bei der Sitzanordnung bestand die Wahl zwischen zwei Einzelsitzen oder einer Doppelbank mit dahinter anschließendem Gepäckabteil. Zudem standen auch eine Fahrzeugbeleuchtung und ein Dach auf der Liste der Ausstattungsoptionen. Neben den Basisfarben Rot, Grün und Blau gab es für französischsprachige Länder zusätzlich die Möglichkeit, die Voiturette in Grau lackieren zu lassen. Gegen einen Aufpreis von 50 Kronen stand auch Weiß zur Wahl. Von 1905 bis 1907 entstanden mindestens 44 Exemplare der Voiturette A von Laurin & Klement. Fünf dieser Fahrzeuge sind heute noch erhalten, davon steht eines in der Dauerausstellung des ŠKODA Museums in Mladá Boleslav.

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Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 11.12.2020