Bratwürstel-Sonntag

Der Bratwürstel-Sonntag ist in allerlei Munde, nur ganz einig ist man sich über die genaue Herkunft des auf Oberösterreich beschränkten Brauches jedoch nicht. Eine mögliche Erklärung könnte jene sein: Da man früher nicht alle Tiere im Winter durchfüttern konnte, wurden viele zuvor noch geschlachtet. Das Fleisch wurde unter anderem zu Würsten verarbeitet. Da Bratwürstel leicht verderäben, wurden sie früher nur in der kalten Jahreszeit produziert, und noch vor der adventlichen Fastenzeit verzehrt. Durch die Verwendung von teuren Schafdärmen waren Bratwürstel eine eher kostspielige Angelegenheit und blieben besonderen Anlässen vorbehalten. Papst Pius V. hatte 1570 den Advent zur Fastenzeit erhoben, daher wurden Bratwürstel als letzte große Stärkung vor dem Fastenbeginn am 1. Adventsonntag serviert. Noch viel älter als die Tradition des Bratwürstelsonntags sind Bratwürstel selbst: Schon im ersten Jahrhundert vor Christi erschien im ersten römischen Kochbuch ein Rezept.

Brauchtum heute

Der erste Adventsonntag wird in Oberösterreich also auch Bratwürstel-Sonntag genannt. Auf den Mittagstisch kommen traditionell Bratwürste, meist mit Bratkartoffeln, Sauerkraut und Senf. Dabei werden oft verschiedene Sorten von Bratwürsteln gegessen. In Oberösterreich pflegten die Fleischhauer bis zum Jahr 1914, ihren Stammkunden extra für diesen Anlass hergestellte Bratwürstel zu liefern. Aus diesem wieder abgekommenen Brauch entwickelte sich unser heutiger Bratwürstel-Sonntag. Heute bieten Fleischhauer verschiedene Sorten an, jeder Betrieb verwendet eine eigene Würzmischung.

Bratwürstel mit Sauerkraut

Variationen

Bratwürste gibt es in roher und gebrühter Form, wobei die gebrühte Form verbreiteter ist. Am häufigsten verbreitet sind hier wiederum ungeräucherte Brühwürste. Regional gibt es auch Rohwurstsorten als Bratwurst. Für die Herstellung wird Fleisch im Fleischwolf bzw. Cutter sowie mit anderen Zutaten wie Gewürzen, Zwiebeln und Kräutern fein zerkleinert. Anschließend füllt man die Masse in unterschiedliche Därme von Schweinen bzw. Lämmern oder man formt sie auf andere Weise ohne Darm in heißem Wasser. Danach brüht man die Würste in heißem Wasser, Brühe oder über Wasserdampf. Für die Zubereitung brät man sie meist auf dem Grill oder in der Pfanne.

Traditionelle Herstellung

Die Bratwurst ist eine traditionelle österreichische Fleischwurst, die entweder aus einer fein emulgierten Fleischmasse, dem sogenannten Brät, oder aus grob geschroteten Fleisch- und Speckstückchen hergestellt wird. Zusätzlich wird sie mit Gewürzen verfeinert und meist mit Kochsalz gesalzen. Die Bratwurst wird traditionell in Schaf-, Lamm- oder Schweinedärme gefüllt, mittlerweile gibt es auch essbar erzeugte Kollagendärme. Anschließend werden die Bratwürstel gegrillt oder in Fett gebraten.

We love Veggie

Als Lebensmittelersatz werden auch fleischlose Alternativen angeboten. Die als Bratwurst- Ersatz bezeichnete Variante ist auf Basis von pflanzlichem und tierischem Eiweiß und durch die Beigabe von Zutaten wie Wasser, Fett bzw. Öl, Verdickungsmitteln, Farbstoffen und anderen Lebensmittelzusatzstoffen zusammengestellt, um bratwurstähnliche Eigenschaften zu imitieren. Mittlerweile gibt es auch einige Hersteller, die auf künstliche Ersatzstoffe nahezu gänzlich verzichten und das in Bio-Qualität.

Brot auf einem Holzbrett

Der Bäcker bäckt‘s frisch & gut.

Ob klassisches Würstel oder vegetarische Alternative: Die richtige Beilage vollendet den traditionellen Schmaus. Senf, Kartoffeln und das richtige Gebäck spielen dabei eine große Rolle. Beim Genuss der Bratwürstel darf natürlich neben dem Sauerkraut die Scheibe Brot oder die Semmel nicht fehlen. „Beim Brot sollte man darauf achten, dass es mit echtem Natur-Sauerteig hergestellt wurde. Die ‚geschlagene‘ Handsemmel ist etwas Einmaliges und sollte unbedingt probiert werden. Unsere Handsemmel wird aus Bio-Ur- Dinkel hergestellt und bietet einen ganz besonderen Geschmack“, so Oliver Raferzeder von der Bäckerei Brotsüchtig. Die junge, moderne Bäckerei, die seit 2016 in Linz, Steyregg und Urfahr bäckt, setzt auf die traditionelle Weise und verwendet nur biologisch angebaute Rohstoffe. Bei den „Brotsüchtigen kommt nur rein, was wirklich reingehört!“ Daher wird auf den Einsatz von Backmitteln, Aromen und Zusatzstoffen gänzlich verzichtet. Die Gründer Oliver Raferzeder und Stefan Faschinger gehen dabei ihren eigenen Weg. Geboten werden Dinkel statt Weizen im gesamten Sortiment und Brote mit Persönlichkeit.

Traumpaar

Wie auch das Fleisch musste dazumal Sauerkraut im Herbst für den Winter eingelagert und haltbar gemacht werden. Kein Wunder also, dass Bratwürstel und Sauerkraut so gemeinsam ihren Weg auf unsere Teller gefunden haben – und bis heute gerne gemeinsam gegessen werden. Sauerkraut ist nicht nur die perfekte Ergänzung zur Bratwurst, auch ist die positive gesundheitliche Wirkung dieses fermentierten Gemüses beachtlich: Milchsäurebakterien wirken als natürliche Probiotika, die eine unheimlich positive Auswirkung auf unseren Organismus und Körper haben. Wie wäre es mit einer Prise Kümmel? Letzterer unterstreicht den leckeren Geschmack von Sauerkraut und macht es besonders bekömmlich. Anton Riepl empfiehlt dazu noch Erdäpfel, um ein vollwertiges Gericht servieren zu können. Er selbst genießt seine Bratwürstel am liebsten mit Senf. Hingegen ist Ketchup zu Bratwürsteln für ihn ein absolutes No-Go. Wer es besonders deftig mag, serviert am Bratwürstel-Sonntag auch noch frischen Erdäpfelschmarren mit Zwiebeln und Kümmel dazu.

Bieriger Durst

Ob ein helles oder dunkles Bier, oberoder untergärig, Bio-, Roggen-, Granit oder Gewürzbier, mit oder ohne Alkohol: Das Bier ist die perfekte Ergänzung zum Bratwürstel-Menü. Oberösterreichs Braukünstler zaubern Hopfensäfte für jeden Geschmack. Dabei zählt das Biertrinken gleichermaßen zur österreichischen Tradition wie der Bratwürstel-Sonntag selbst. Bei Zipfer gehen Regionalität und Qualität Hand in Hand. Deshalb werden die Rohstoffe auch sorgfältig ausgewählt: Nur ausgesuchte Gerste, Naturhopfen der Mühlviertler Hopfenbaugenossenschaft und reines Wasser aus dem brauereieigenen Brunnen dürfen letzten Endes in „ein Glas heller Freude“. Das ist Regionalität, die durch ihren Geschmack punktet.

Tradition trifft Moderne.

In Oberösterreich hat die Brauchtumspflege einen besonders hohen Stellenwert und wird entsprechend gepflegt und gefördert. Vor allem im Advent folgen eine Veranstaltung oder ein Fest dem Nächsten. Kaum sind die letzten Klänge der traditionellen Kathreintänze verstummt, da kündigen sich schon die ersten Advent- Veranstaltungen an: vom Bratwürstel-Sonntag, von der Kripperl-Roas über den Besuch vom Nikolaus bis hin zum Krambambuli-Brennen am Stefanitag. Welcher Brauchtumstag auch immer, stellen Sie sicher, dass Sie die besten Würstel, frisches Gebäck und Bier zu Hause haben.

Autor: Violeta Danicic, 27.10.2021