Zwischen Schule und Corona

Lukas ärgert sich: Der Erstklässler will gerade seine Arbeitsblätter für den Deutschunterricht machen. Doch ständig läutet bei Mama das Telefon. Die muss nämlich im Homeoffice arbeiten. Und seine kleine Schwester macht Krach und will lieber spielen… Der Siebenjährige ist frustriert.

So wie Lukas geht es zurzeit vielen Schülern in Österreich. Zu den täglichen Unterrichtseinheiten kommen auch der Stress der Eltern, die Angst vor dem Virus und der fehlende Kontakt mit Freunden. Keine einfache Situation. Dennoch ziehen die Experten der steirischen Bildungsdirektion vorerst eine positive Bilanz zum Home Schooling: „Vieles funktioniert sehr gut, an manchen Punkten muss aber noch nachgeschärft werden. Etwa bei der Menge an Unterrichtsmaterialien – Schüler sollen weder über- noch unterfordert werden. Außerdem streben wir eine Vereinfachung der Kommunikation zwischen den Lehrpersonen und den Schulkindern an. Eine Bündelung und Verwaltung der ausgesendeten Lernmaterialien durch den Klassenvorstand soll die Verständigung zwischen Schule und Schülern bzw. Eltern weiter verbessern“, erklärt Pressesprecher Julian Kampitsch.

Um das Distance Learning abwechslungsreicher zu gestalten, ist vom Bundesministerium außerdem die Errichtung eines Online-Portals geplant. „Die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern nur über E-Mails kann auf Dauer ermüdend für die Kinder und Jugendlichen werden, weshalb zusätzlich auch vermehrt Telefon- und Videokonferenzen zwischen Lehrern und ihren Klassen forciert werden“, so Kampitsch. Was aber ist mit Familien, die nicht über die notwendige Hardware verfügen? „Hier sind die Schulen angehalten, unter Beachtung aller nötigen Sicherheitsvorkehrungen ein Ablagesystem einzurichten, das die Abholung von Aufträgen und die Abgabe von Aufgaben für mehrere Tage ermöglicht.“ Auch technische Geräte sollen künftig für die Familien zur Verfügung gestellt werden.

Mit dieser Lösung sind aber nicht alle zufrieden: „Diese ganze Debatte wird leider immer rein im Kontext von Lernen und Leistungserbringung geführt“, kritisieren Bernhard Lahner und Nicol Gruber von Schaumonito, einem überparteilichen Netzwerk für kindgerechte Schulen. „Schüler brauchen auch in Zeiten wie diesen Sozialkontakte und müssen abseits der Familie die Möglichkeit haben über ihre Probleme und Freuden des Lebens zu reden.“ Ansonsten sind aus ihrer Sicht soziale Probleme vorprogrammiert. Das Netzwerk fordert daher, dass jedes Kind mindestens einmal pro Woche einen Halbtag in der Schule in der Kleingruppe spielen, sporteln oder einfach nur lernen oder abhängen kann. Eine Forderung, die sich aus Sicht der Bildungsdirektion zurzeit einfach nicht umsetzen lässt. „Man kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wie lange dieser Zustand andauern wird“, so Kampitsch. Aktuell sind die Lehrer angehalten, Unterrichtsmaterialien bis Ende April vorzubereiten. „Wir können aber sagen, dass die Schulen auch für jenen Fall vorbereitet sind, dass der reguläre Unterricht auf derzeit noch unbestimmten Zeitraum nicht wie gewohnt stattfinden kann.“

Welche Folgen das vor allem für sozial schwächer gestellte Schüler haben wird, wird sich zeigen.

Autor: Elisabeth Stolzer, 02.04.2020