Wut-Appell an Vatikan: "Gebt endlich mehr als fromme Worte!"

Der Entrüstungssturm nahm in der Vorwoche seinen Ausgang. Als Papst Franziskus in Rom vor dem leeren Petersplatz den Segen "Urbi et orbi" spendete. Eine kirchengeschichtlich einzigartige Aktion, weil dieser Segen ausschließlich zu Ostern, Weihnachten und unmittelbar nach einer Papstwahl gegeben wird.

Was als Zeichen der Kirche an die Menschen gedacht war, sorgt jetzt vielfach für Entrüstung. "Vielen Dank dafür, aber wie wäre es denn, wenn ihr mal Geld gebt. Geld, das dringend gebraucht wird. Ihr wollt immer, dass die Menschen spenden, bei jeder Möglichkeit haltet Ihr die Hand auf. Ihr sitzt in Italien im Corona-Epizentrum von Europa. Dort wo es am schlimmsten ist. Italien braucht Geld, braucht Hilfe und Ihr sitzt auf euren Milliarden. Also steht auf und spendet Geld für Italien und die ganze Welt. Man hört nie, dass, wenn irgendwo Katastrophen sind, die Kirche Geld locker macht. Jetzt ist es Zeit zu zeigen, dass Euch die Menschen wirklich am Herzen liegen!" Auf so unmißverständliche und offene Art macht ein Kritiker in einer aufrüttelnden Videobotschaft seinem Zorn Luft und spricht damit zigtausenden Menschen aus der Seele.

Die Wege des Herrn sind unergründlich, heißt es in der Bibel. Ebenso unergründlich sind die Finanzen der Weltkirche, die eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Menschheit und zigfach Anlass für Spekulationensind. Goldreserven in der Schweiz und in den Vereinigten Staaten, Aktien und festverzinsliche Wertpapiere gehören ebenso zu diesem über Jahrhunderte hinweg aufgebauten Vermögen, wie ein gigantisches, weltweites Immobilien-Imperium. Wirtschaftswissenschafter schätzen die Besitztümer auf einen Gesamtwert von bis zu zwei Billionen Euro. All das steht in krassem Widerspruch zu der Antrittsbotschaft von Papst Franziskus, in der er vor knapp vier Jahren meinte: "Ich möchte eine arme Kirche, eine Kirche für die Armen!" Und so wirkt es wie ein Hohn, wenn der Papst wie dieser Tage 100.000 Euro an die italienische Caritas spendet.

Umgekehrt ist die Politik – zumindest in Österreich – alles andere als knausrig, wenn es um Zuwendungen geht. Die Wochenzeitungen der österreichischen Diözesen erhalten beispielsweise jetzt aus dem Corona-Medientopf knapp 800.000 Euro Sonderförderung.

Autor: Ute Daniela Rossbacher , 30.06.2020