Viel Wind ums Tiroler Wetter

„Auf die Wettervorhersagen kann man sich auch nicht mehr verlassen“, so hört man die Leute immer öfter sagen, wenn sie ob der scheinbar falschen Prognosen ihr Programm über den Haufen werfen müssen, weil dicke Regenwolken die sonnigen Aussichten verdunkeln. Ist es aber tatsächlich so, dass die Wetterfrösche die Schirmherrschaft über die Voraussagen verloren haben? Manfred Bauer von der Zamg Tirol kann dies nicht bestätigen: „Fehlprognosen gibt es zwar immer wieder mal, aber wenn man ehrlich ist, sind die Vorhersagen von uns Wetterfröschen in den vergangenen 10 bis 20 Jahren deutlich besser geworden. Damals waren Prognosen über mehr als drei bis vier Tage sehr unzuverlässig.

Heute ist die Qualität deutlich höher. Trends, etwa ob es kälter oder wärmer wird, ob es unbeständig ist oder ein Hoch zu uns kommt, sind selbst für einen Zeitraum von einer Woche einigermaßen verlässlich“. Die Gründe für diese Verbesserung sind vielfältig. Der wichtigste Faktor ist die immer besser werdenden Computermodelle, mit denen heute das Wetter voraus berechnet wird. Auch die Erfassung der Wetterdaten hat sich enorm gesteigert. Dank Satelliten werden heute zum Beispiel Wetterphänomene über den Meeren, die mit den früher rein boden-gestützten Beobachtungssystemen nicht zu erkennen waren, erfasst. Und, so Bauer, unser Wetter werde nun mal häufig über dem Atlantik gekocht. Auch die Ausbildung der Meteorologen sei immer besser geworden. Die Wetterfrösche von heute sitzen vor zahlreichen Computern und brauchen den Blick aus dem Fenster nur mehr selten.

Auf die Eisheiligen ist Verlass

Ein krasser Gegensatz also zu den Menschen, die glauben, das Wetter könne man am besten durch das Beobachten von Naturphänomen, bestimmten Lostagen, nacheinander folgenden Umständen und durch Erfahrungswerte bestimmen. Das Wetter über die Bauernregeln vorherzusagen, wurde früher von Generation zu Generation weitergegeben. Manfred Bauer gesteht diesen Regeln eine gewisse Treffsicherheit zu, allerdings nur über dem deutschen Flachland, in den Alpen jedoch funktioniert dies nicht: „Bauernregeln waren über viele Jahrtausende die einzige Möglichkeit einer Wettervorhersage. Sie haben sich entsprechend weit verbreitet. Um Bauernregeln fair zu beurteilen, bräuchte es aber oft ein Wissen über den Ort ihrer Entstehung. Heute hat man ein anderes Verständnis von „Schönwetter“ als die Landwirtschaft vor hunderten Jahren. Sonnig, trocken und heiß war damit nicht unbedingt gemeint, sondern sicher auch eine gute Dosis an Regen. Viele Bauernregeln sind deshalb heute nicht besonders nützlich, vor allem jene, die vom Wetter an einem Tag auf das Wetter in den nächsten Wochen oder in Monaten schließen wollen. Besser sieht es da mit Wettermustern aus, die regelmäßig wieder kehren. Dazu gehören etwa die Eisheiligen. Die kalten Gesellen geben zwar nur gelegentlich genau von 12. bis 15. Mai ein Stelldichein. Gerade zwischen 20. und 25. Mai zeigt die Statistik aber eine Häufung von Kaltlufteinbrüchen, die zumindest einstellige Temperaturen und Schnee bis ins Mittelgebirge bringen können,“ so der Meteorologe.

Wind und Wetter

Weht der Föhn über unser Land, stehen auch bei den Wetterfröschen die Zeichen auf Sturm: „Phänomene wie der Föhn oder die völlig unterschiedliche Verteilung des Niederschlags, wenn eine Front von Süden oder von Norden kommt, machen die Wetterprognose zu einer tagtäglich spannenden Aufgabe. In Tirol ist die Herausforderung, die unterschiedlichen Einflüsse unserer Berge auf das Wetter zu verstehen und richtig vorherzusagen“, erklärt der Wetterexperte und erklärt, dass seit den achtziger Jahren Computerberechnungen das Um und Auf jeder Wetterprognose darstellen. Die Ergebnisse stehen heute über Wetter-Apps zur Verfügung.

Meteorologen schauen sich nicht nur ein einziges Wettermodell an. Es gibt davon eine Vielzahl, die alle unterschiedliche Stärken und Schwächen haben: „Die Auseinandersetzung mit diesen Vorhersagen, gepaart mit viel eigener Erfahrung, was solche Modelle können und was nicht, ermöglicht es den Wetterfröschen, ihre entsprechenden Prognosen abzuleiten. Und im Regelfall kann der Mensch die reine Computervorhersage noch verbessern. Die Entwicklung geht immer weiter,“ so Bauer.

Wie wird der Sommer?

Bezüglich exakter Prognosen seien die Ansprüche gestiegen. Noch in den 90-er Jahren waren die Wettervorhersagen sehr pauschal und enthielten wenig Details: Wechselhaft war ein entsprechend beliebtes Wort. Heute sind Prognosen meist viel konkreter, sowohl in der regionalen Zuordnung als auch im tageszeitlichen Ablauf. Manche Anrufer erwarten sich aber auf die Uhrzeit genaue Vorhersagen und sind dann enttäuscht, wenn es ein, zwei Stunden früher regnet als vorhergesagt. Die Erwartungshaltung ist manchmal einfach größer als das, was eigentlich vorhersagbar ist“, sagt Manfred Bauer. Nun eine Frage, die wohl jeden von uns brennend interessiert: „Wann wird`s mal wieder richtig Sommer?“ Von saisonalen Prognosen halte er in unseren Breitengraden wenig, da die Trefferquote hier nicht besonders hoch ist, so Bauer und erklärt, wenn man bedenkt, dass in Zeiten des Klimawandels, den wir erleben, zehn bis zwölf Monate des Jahres wärmer sind als im langjährigen Schnitt, riskiere man keine dicke Lippe, wenn man sagt, dass der Sommer wahrscheinlich zu warm ausfallen wird. Dies würden übrigens auch die saisonalen Modelle der ZAMG derzeit so berechnen.

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Autor: Conny Pipal , 28.05.2017