Unermüdlicher Einsatz - Andreas Jaklitsch im Interview

Welche zusätzlichen Aufgaben erfüllt das Rote Kreuz in der Corona-Krise?
Andreas Jaklitsch: Das Rote Kreuz Steiermark ist flächendeckend – nicht nur im - im Corona-Einsatz, führt täglich zahlreiche Testungen durch, organisiert das mobile Ärzteservice, unterstützt die Behörden in vielen Bereichen, vermittelt Freiwillige und Zivildienstleistende, liefert wichtige Informationen – und steht der Bevölkerung natürlich weiterhin mit seinen Rettungskräften zur Verfügung. Nicht zu vergessen ist das Gesundheitstelefon 1450, wo wir massiv aufgestockt haben, um die vielen Anruferinnen und Anrufer zu betreuen. Es gibt im Moment beinahe keinen Leistungsbereich, der nicht von den Veränderungen rund um Corona betroffen ist. Die Rufhilfe liefert Rufhilfegeräte per Post, Ausgabestellen der Team Österreich Tafel haben auf einen Lieferservice umgestellt, der Blutspendedienst hat seine bestehenden Hygienemaßnahmen verschärft, um nur einige Beispiele zu nennen. Man darf nicht vergessen, dass der Rettungsdienst, Hauskrankenpflege und der Blutspendedienst in vollem Umfang weiterlaufen müssen.

Wie steht es um die aktuelle Einsatzbereitschaft?
Andreas Jaklitsch: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind höchst motiviert und zeigen unermüdlichen Einsatz. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle auch nochmal ganz herzlich bedanken!

Mit welchen Problemen haben Sie aktuell am meisten zu kämpfen?
Andreas Jaklitsch: Wir erleben aktuell eine große Hilfsbereitschaft in Österreich. Gerade in Ausnahmesituationen wie jetzt kommt es umso mehr auf das solidarische Miteinander an. Damit wir, als Rotes Kreuz, unseren Job weiterhin bestmöglich ausführen zu können, ist es wichtig, dass wir ein klares Bild der Lage haben und Menschen ehrlich Angaben machen, also keine Erkrankungen verschweigen. Egal woran die Menschen leiden, ob sie in Quarantäne sind oder nicht, das Rote Kreuz hilft immer. Darauf kann sich die Bevölkerung verlassen!

Warum ist es aus der Sicht des Roten Kreuzes besonders wichtig, sich an die Ausgangsbeschränkungen zu halten?
Andreas Jaklitsch: Das Minimieren von sozialen Kontakten und auch das Abstandhalten in der Öffentlichkeit sind wichtige Maßnahmen, die jetzt jede und jeder treffen kann! Aus unserer Sicht ist es besonders wichtig, weil durch die Maßnahmen auch Unfälle vermieden werden können, die unsere Rettungskräfte zusätzlich belasten würden.

Häufen sich die Anrufe bei der Krisenintervention und der Ö3-Kummernummer?
Andreas Jaklitsch: Befinden sich Menschen aufgrund eines plötzlichen Todesfalles, eines belastenden oder traumatischen Erlebnisses in Not oder brauchen sie aufgrund von Quarantäne emotionalen Zuspruch, unterstützt die Krisenintervention des Roten Kreuzes die Bevölkerung natürlich wie gewohnt. Den Vorsichtsmaßnahmen entsprechend, konnte das ganze Alarmierungssystem auf die telefonische Betreuung in Akutsituationen umgestellt werden. Die Ö3-Kummernummer, die das Rote Kreuz gemeinsam mit Ö3 betreibt, verzeichnet seit dem Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen mehr Anrufe. Das Rote Kreuz Steiermark hat darauf mit einer Ausweitung der Anrufzeiten reagiert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ö3-Kummernummer sind momentan von 12-24 Uhr unter der Nummer erreichbar. Corona ist derzeit das Hauptthema bei den Anrufern: „Die Decke fällt mir auf den Kopf“, „Wie kann ich den Tag verbringen?“ „Wie soll es nach der Krise weitergehen?“

Zurzeit wird verstärkt zu Blutspenden aufgerufen. Ist es momentan problemlos möglich, spenden zu gehen?
Andreas Jaklitsch: Blutspenden ist problemlos möglich. Symptome, wie zum Beispiel hohes Fieber oder starker trockener Husten, waren schon immer ein temporärer Ausschlussgrund vom Blutspenden. Nach derzeitigem Wissensstand gibt es auch keine Hinweise darauf, dass das COVID-19 über Bluttransfusionen verbreitet werden könnte. Die Hygienemaßnahmen und das Wohl unserer Spenderinnen und Spender hatten immer und haben auch aktuell die höchste Priorität bei unseren Blutspendeaktionen. Deshalb haben wir bereits vor Wochen unsere regulären Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen erweitert.

Welchen Beitrag soll die „Stopp Corona“-App leisten?
Andreas Jaklitsch: Die neue Stopp Corona-App will dazu beitragen, die Infektionskette der Corona-Infektionen schnellstmöglich zu unterbrechen. Dazu dient als Kernstück ein Kontakt-Tagebuch, indem persönliche Begegnungen mittels "digitalem Handshake" anonymisiert am Handy gespeichert werden. Treten bei einer Person dann Symptome einer Corona-Erkrankung auf, wird man als Kontakt automatisch benachrichtigt und gebeten, sich selbst zu isolieren. Je mehr Menschen in Österreich die App nutzen, umso besser erfüllt sie ihren Zweck. Darüber gibt es allgemeinen Konsens. Daher unterstützen die Politik, Interessenvertretungen und zivilgesellschaftliche Organisationen die App. Ich bin der Meinung, dass die App dann am besten die Ausbreitung von Corona minimiert, wenn sie freiwillig genutzt wird. Das haben wir auch von Anfang an deutlich gemacht. Eine Verpflichtung war nie Basis unserer Überlegungen als Initiator der App.

Wie kann man das Rote Kreuz bei seiner Arbeit unterstützen?
Andreas Jaklitsch: Mit Abstand die beste Hilfe ist Abstand zu halten: Sozialkontakte minimieren, zuhause bleiben. Wenn man aktiv werden möchte, kann man sich die Team-Österreich-App und auch die neue Stopp-Corona APP installieren. Wenn Sie die Arbeit des Roten Kreuzes Steiermark finanziell unterstützen möchten, sind wir für jede Spende an AT70 56000 2014 1018 478 sehr dankbar. Natürlich kann auch online gespendet werden.

Author: Patrick Deutsch , 08.04.2020