Stylische Maskerade

Während die Schutzmasken in Europa eine Begleiterscheinung des Corona­virus sind, gehören sie im asiatischen Raum schon lange zum Alltag. Vor allem in Japan verkörpern sie nämlich ein wahres Schönheitsideal: Sie betonen die Augen und lassen das Gesicht schmaler wirken. Außerdem sorgen sie für einen geheimnisvollen und mystischen Look. Da die Masken nun auch in Europa ein täglicher Wegbegleiter geworden sind, legen immer mehr Menschen Wert auf eine modische, qualitativ hochwertige Designer-Maske, die ein stimmiges Outfit vervollständigt. So nutzt auch die österreichische Modebranche die Gunst der Stunde und produziert Masken als Modeaccessoire mit Wiedererkennungspotenzial.
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Mothwurf
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Trendwatching. Gewisse Trends zeichnen sich auch hier bereits ab. „Wie in der Mode ist auch bei den Masken zurzeit alles erlaubt“, meint Designerin ­Marina Hoermanseder. Der Allrounder sei natürlich die klassische schwarze Maske – sozusagen das minikleine Schwarze unter den Masken. Aber auch gewagtere Muster seien sehr beliebt. „Von Leopard, Denim über Hemdenstoff sieht man alles“, meint die in Berlin ansässige Wienerin. Wie auch in den regulären Kollektionen steht bei den Masken vom steirischen Trachten-Label Mothwurf die Liebe zum Detail im Vordergrund. Schwarze oder graue Masken mit verspielten Ranken- oder Blumenmustern sind dabei besonders beliebt. Wagemutige setzen auch gerne mit knalligen Farben Akzente.

Must-have. Großen Anklang finden auch die Masken von Designerin Eva Poleschinski, obwohl sie anfangs gar keine Masken verkaufen wollte. „Es begann mit einem Instagram-Posting, mit dem ich auf die neue Maskenpflicht aufmerksam machen wollte. Daraufhin schrieben mir viele Leute, dass sie gerne eine Maske kaufen würden“, so die Designerin. Die Steirerin bietet unterschiedliche ­Modelle an – von klassischen, edlen „Poleschinski“-Masken aus Brokat-Stoff bis hin zu ausgefallenen Mustern im Zebra- oder Dschungel-Look, die vor allem für den Sommer sehr beliebt sind. „Mir geht es darum, dass sich die Träger der Maske wohlfühlen. Sie sollen so gut es geht in den gewohnten Alltag oder Job integriert werden können“, sagt Eva Poleschinski. Dass man sich in den Masken wohlfühlen kann, ist auch für die Wiener Designerin Aniko Balazs wichtig. Ihre Masken haben besondere Schnitte für Brillenträger, sodass die Gläser nicht beschlagen. Für sie steht vor allem die Individualität im Mittelpunkt: „Es geht um den persönlichen Stil der Träger und die Qualität der Masken. Passt die Masken zu meinem Kleidungsstil? Sitzt sie gut? Das sind die neuen, wichtigen Fragen.“

Modeindustrie im Wandel. Das Coronavirus verändert die Modewelt in vielerlei Hinsicht. Statt Models über den Mailänder Laufsteg zu schicken, zeigte Modeschöpfer Giorgio Armani bereits im Februar seine neue Kollektion per Livestream. Als Vorzeigemodell dienen die Shanghai Digital sowie die Helsinki Virtual Fashion Week, die mit bis zu sechs Millionen Zuschauern große Erfolge feiern konnten. Auch die Themen Nachhaltigkeit und Regionalität rücken stärker in den Fokus. „Wegwerfmasken sind mega-out“, meint Aniko. „Die Einstellung, wie in Zukunft Mode und Lifestyle hergestellt und konsumiert werden, verändert sich spürbar. In der gesamten Produktions- und Lieferkette scheint es endlich ein Umdenken zu geben.“ Für Anna-Katharina Mayer von Mothwurf geht Nachhaltigkeit insbesondere mit Regionalität einher: „Wir verwenden für unsere Masken in erster Linie Materialien aus Österreich oder Italien. Diese sind zusätzlich Oeko-Tex zertifiziert.“ Bewusst ressourcenschonend arbeitet auch ­Marina Hoermanseder, denn sie benutzt für ihre Masken Runway-Reststoffe aus dem Lager. Auch Eva Poleschinski hofft, dass Buy-Local-Aktionen nach der Krise erhalten bleiben. „Ich wünsche mir, dass die heimische Handwerkskunst wieder wertgeschätzt wird. Auf jeden Fall bin ich mir bei einem Teil der Gesellschaft sicher, dass das Bedürfnis nach lokalen Betrieben bestehen bleibt.“

Blick in die Zukunft. Ob uns die Masken auch nach der aktuellen Coronakrise begleiten werden, darin sind sich die Designerinnen jedoch uneinig. Aniko ist sicher, dass die Masken auch in Zukunft bestehen bleiben: „Mode ist ein Spiegel der Gesellschaft und die persönlichen Erlebnisse sowie der Einfluss der Pandemie werden uns noch länger beschäftigen. Allerdings werden sich die Formen des Mund-Nasen-Schutzes weiterentwickeln, ich bin also schon auf neue Lösungen gespannt.“ Auch Marina Hoermanseder ist der Meinung, dass die Masken noch länger eine Rolle spielen werden. „Wenn man eine coole Maske von einem Label besitzt, die man sehr gerne hat, wird man diese zukünftig auch auf Reisen mitnehmen oder am Flughafen verwenden. Der Masken-Trend ist auf keinen Fall vorbei und wird uns wahrscheinlich noch eine Weile begleiten“, so die Designerin. Anna-Katharina Mayer von Mothwurf glaubt hingegen, dass die Masken in Vergessenheit geraten, sobald es einen Impfstoff gegen das neue Virus gibt. So oder so: Hippe Schutzmasken verschönern den grauen Corona-Alltag auf jeden Fall und beweisen, dass die Modewelt selbst in Krisenzeiten nicht stehen bleibt, sondern Anpassungsfähigkeit beweisen kann.

Wie steht es momentan um die Modebranche? Befindet auch sie sich in einer Krise?

Krise würde ich nicht behaupten, aber auf jeden Fall in einer Umstrukturierung und in einem Umschwung. Der Zyklus der Kollektionen ist anders. Retailer müssen kollektionsunabhängiger werden, da sie noch Restbestände der Winterware haben und auch die Sommermode noch verkaufen müssen. Für die Berliner Design-Szene ist es aber sogar das, worauf sie lange gewartet hat. Normalerweise findet die Fashion Week in Berlin immer zwei Monate vor den Big Playern (Mailand, Paris, New York, London) statt, wo sich eigentlich noch niemand mit den Sommer- oder Winterkollektionen beschäftigt. Das -Coronavirus ändert den Zeitplan – wenn also Berlin im September statt im Juli stattfindet, nähern wir uns dem internationalen Schauen-Plan. Auch die Trends sind anders. Momentan ist vor allem Home-Wear und Cozy angesagt. Die Leute legen Wert auf Gemütlichkeit und Multifunktionalität. Außerdem ist vielen Kunden bewusst geworden, was man wirklich braucht und was Luxus bedeutet.

Wie hat sich denn deine Arbeitsweise während der Krise verändert?

Unsere Arbeitsweise hat sich eigentlich wenig verändert. Wir sind weiterhin ins Büro gekommen und dafür war mein Team auch sehr dankbar. Ich habe auch Autos organisiert, damit keiner mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommen muss. Wir sind schließlich alle kreative Menschen, die handwerklich arbeiten. Hätten wir während dieser Zeit nicht arbeiten können, wären wir wahrscheinlich verrückt geworden. Wir haben eigentlich richtig Gas gegeben. Es gibt ja auch wieder eine Zeit nach Corona und da müssen wir funktionieren und zeigen, dass wir die letzten Monate nicht geschlafen haben.

Welche Erfahrungen hast du aus der Krise mitgenommen?

Ich finde, wir sind als Team viel enger zusammengerückt. Wir wussten, dass die Masken gerade hoch im Kurs stehen und da wollten wir auch mitziehen. Jeder hat mitangepackt beim Zuschneiden, Nähen und Verpacken der Masken – egal in welcher Position und in welchem Job man eigentlich arbeitet. Generell konnten wir einfach ein bisschen Luft holen in dieser Zeit und Dinge aktiv angehen, zu denen wir sonst schwer kommen. Die Stimmung war auch in Berlin nicht so angespannt wie in Wien, es war alles ein bisschen liberaler, die Leute waren trotzdem noch viel unterwegs. Es war auf jeden Fall eine Zeit zum Herunterfahren und Entschleunigen.

Autor: Teresa Frank , 04.06.2020