Sturm neu ist in Graz gelandet

Es waren bewegende Momente, damals im Panther-Saal des Brauhaus Puntigam. Christian Jauk wurde unter tosendem Applaus zum neuen Sturm-Präsidenten gewählt und versprach den anwesenden Mitgliedern eine völlig andere Amtsführung als man das bisher in Graz gewöhnt war. Schluss sollte sein mit den polternden Präsidenten à la Hannes Kartnig, die allmächtig über dem Klub thronten. Vielmehr wollte sich der Neue völlig zurücknehmen, sich nur noch ums „Geld aufstellen und netzwerken“ kümmern. Der Rest sollte von Profis gemanagt werden. Sturm Graz müsse ein moderner Profiverein mit langfristiger Perspektive werden. Der Slogan „Sturm neu“ war geboren und sollte dem Neo-Präsidenten noch einige Male gehörig auf den Kopf fallen.

Personelle Fehlgriffe

Aber nicht nur in der Struktur sollte kein Stein auf dem anderen bleiben, auch im Sportlichen wollte man nicht nur einen Schritt weiter kommen. Da stand zunächst der jetzt so gefeierte Franco Foda im Weg. Nach einigen erfolglosen Monaten schasste man den Mainzer etwas unsanft und ersetzte ihn durch einen Mann, der die neue Philosophie des Vereins perfekt zu verkörpern schien. Doch schon nach kurzer Zeit war klar, dass Peter Hyballa nicht zuletzt wegen seiner auffälligen Psyche den Verein in die Luft sprengen würde. Auch in der Geschäftsführung griff man gehörig daneben. Nach nicht einmal einem halben Jahr waren Paul Gludowatz und Christopher Houben schon wieder Geschichte.

Die Ära Goldbrich

Gerhard Goldbrich war nun der neue starke Mann. Zunächst werkte der Medienmanager als Generalmanager mit zwei weiteren Geschäftsführern, in der Endphase schupfte er den Laden mehr oder weniger alleine. Die Turbulenzen gingen freilich weiter. Besonders alt sah „Sturm neu“ in der Zeit von Cheftrainer Darko Milanic aus. In seiner Ära spielte Sturm wohl den unattraktivsten Fußball aller Zeiten und befand sich in Folge dessen in der Liga im Niemandsland.

Jauks Rolle

Der Präsident konnte sein Versprechen, sich nicht in das Sportliche einzumischen, nicht halten. Rückblickend scheint es, dass Jauk selbst in den ersten Jahren seiner Präsidentschaft der personifizierte Gegensatz zu „Sturm neu“ war. Besonders deutlich zeigte sich dies bei der Bestellung Darko Milanic. Anstatt seinem Geschäftsführer die Trainersuche zu überantworten, trug er die Verpflichtung Milanic wie eine Trophäe vor sich her und war letztlich damit auch für dessen Misserfolge verantwortlich. Richtig chaotisch verlief dann das neuerliche Engagement Franco Fodas. „Sturm neu“ war in dieser Phase mehr „Sturm Chaos“. Bis hin zu Ehrenpräsident Fedl mischte jeder im Verein mit.

Dann kam Kreissl

Nachdem auch mit Foda der sportliche Erfolg nicht recht nach Liebenau zurückkehren wollte, musste der ungeliebte Gerhard Goldbrich seinen Hut nehmen. Auf ihn hatte sich seit seinem Amtsantritt der Unmut der Fans konzentriert. Goldbrich wurde für alle Fehlentwicklungen verantwortlich gemacht. Sein Nachfolger Günter Kreissl brachte den Umschwung. „Sturm neu“ wurde endlich Wirklichkeit. Vom Start weg gab es keinen Zweifel, dass Jauk mit Kreissl einen absoluten Vollprofi nach Graz gelotst hatte. Ruhig, konsequent und mit viel Fachwissen ausgestattet brachte der gebürtige Wiener den SK Sturm zurück in die Erfolgsspur.

Vogels Bestellung

Besonders deutlich kann man Kreissls Handschrift bei der Bestellung Heiko Vogels erkennen. Professioneller geht es wohl kaum. Leute wie Roman Mählich, der schlecht bis gar nicht vorbereitet zum Hearing erschien, hatten keine Chance auf den begehrten Chefsessel. Fazit. Der Umbau des Vereins ist vollzogen. Allerdings hat er länger gedauert, als manche das erwartet haben. Heiko Vogel scheint nun das letzte Puzzleteil in einem Bild zu sein, das mit jenem, das vor fünf Jahren in Liebenau hing, nichts mehr gemein hat. Christian Jauk unterliefen beim Gestalten dieses neuen Bildes viele Fehler, letztlich hat er es aber zu Ende gebracht. „Sturm neu“ ist in Liebenau angekommen.

Autor: Patrick Deutsch , 12.12.2017