Steig’ auf! – Wie es euch gefällt

Ein Lenker, zwei Räder und ein Sattel sind vielen „Pedalrittern“ schon lange nicht mehr genug. Auf den heimischen Straßen häufen sich die nicht motorisierten „Custom-Bikes“.

Radschmiede

Von außen lässt nur durch ein Schild erahnen, was sich in einem Innenhof in der Grazer Griesgasse abspielt. In einer alten Schmiede hat sich Mike Brulz mit „Lemur Bike & Bones“ niedergelassen. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern werden hier nicht nur Räder aller Art verkauft und repariert, sondern auch an die individuellen Wünsche der Kunden angepasst. Das „Customizen“ beginnt bei Bereifung, Pedalen, Satteln, Lenkern und Griffen und geht über Laufräder, Federgablen zu Lagern und reicht bis hin zur Maßanfertigung von Rahmen aus Stahl, die perfekt auf Körperverhältnisse und Fahrverhalten abgestimmt werden können.

Qualität statt Quantität

Ganz nach dem Designleitsatz „Form follows function“ steht für Brulz bei den Anpassungen aber immer im Vordergrund, dass der Grundcharakter und die Funktionalität des Rades (Rennrad, Mountainbike usw.) erhalten bleiben. „Wir versuchen natürlich, alle Kundenwünsche zu erfüllen, wichtig ist aber, dass die Veränderungen auch sinnvoll sind“, erklärt Brulz und ergänzt: „Ein absolutes No-go sind zum Beispiel farbige Ketten. Eine rote Kette hat noch niemanden schneller gemacht, schränkt aber die Funktion ein. Wir lassen unsere Kunden sicher nicht an die Wand laufen.“ Bei „Heels on Wheels“ in der Grazer Wickenburggasse hat man sich auf voll und ganz auf weibliche Kundschaft spezialisiert: „Man kann das Erscheinungsbild eines Fahrrades relativ schnell und kostengünstig verändern. Außerdem wollen wir unseren Kundinnen die Möglichkeit bieten, nicht nur schwarze Accessoires für ihr Fahrrad zu kaufen“, erklärt Inhaber Laszlo Kruchio.

Trendfaktor Bike

Im urbanen Bereich waren in den letzten Jahren vor allem „Fixie-“ und „Singlespeedräder“ im Trend und sind Bestandteil der Hipstermode. Das Besondere bei diesen Modellen ist, dass sie über keine Gangschaltung verfügen und keinen Freilauf haben (Fixies). Die Vorteile solcher Räder sind schnell erklärt: Das Rad ist leichter. Die Pflege, Wartung und Reparatur der einzelnen Komponenten ist günstiger oder entfällt komplett. Ein hochwertiges Singlespeed/Fixie, mit dem man ohne Probleme 10.000 Kilometer im Jahr abspulen kann, bekommt man bei Lemur ab circa 800 Euro. „Aktuell geht der Trend aber in Richtung ,Gravelbikes’ – eingedeutscht Querfeldein-Räder“, so der Lemur-Chef. Gravel-Bikes sind Rennradrahmen mit Stollenbereifung. Auch im Mountainbike-Bereich ist ein Anstieg zu erkennen. Nicht nur am Schöckl, sondern auch in der Stadt werden immer mehr Strecken, sogenannte „Pumptracks“ gebaut oder erneuert. „Am 1. Mai wird im Eustacchio-Park auf einem frisch gewarteten Track die Saison eröffnet“, freut sich Brulz, der mit seinem Verein „Loose Riders Graz“ auch am Bau beteiligt war.

Funktioneller Autoersatz

Die gängige „Ausrede“, für Transporte auf ein Auto angewiesen zu sein, lässt man bei Lemur auch nur bedingt gelten. Mit modernen Lastenrädern lassen sich auch sperrige Gegenstände wie Sofas ohne Probleme befördern. Auch hier gibt es die Möglichkeit, sich den Aufbau an den Verwendungszweck anpassen zu lassen. So gibt es zum Beispiel Varianten für Kinder, Hunde oder auch Werkzeug.

Elektromobilität

Im Bereich der Funktionalität sind E-Bikes ein wichtiger Faktor. und erfreuen sich immer größer werdender Beliebhtheit. Durch die verbauten Elektromotoren können auch nicht ganz so fitte Bike-Enthusiasten längere und vor allem steilere Strecken bewältigen. „Die Nachfrage nach E-Bikes, gerade im Trekking- und Mountainbike-Bereich, ist enorm“, weiß Dietmar Lampl von „raDL Sport“ in Leibnitz.

Preisguide

Qualität hat ihren Preis. Deshalb sollte man auch beim Radkauf in vernünftiges Material investieren.

  • Enduro-Mountainbike ab € 2.500,–
  • Gravelbike ab € 500,–
  • Fixie/Singlespeed ab € 800,–
  • Alu-Rennrad ab € 1000,–
  • Carbon-Rennrad ab € 2000,–
Autor: Patrick Deutsch , 17.04.2019