Stehauffrau Claudia Kadur

Weekend: Wie geht es Ihnen aktuell?
Claudia Kadur:
Das Atmen fällt mir immer noch sehr schwer. Bei meiner Entlassung erhielt ich ein Lungenröntgen und es hieß, es sei nun alles in Ordnung. Dass die Lunge noch nicht ganz ausgeheilt ist, merke ich beim Spazierengehen und Treppensteigen. Das Atmen ist bei leichter Bewegung anstrengend, auch für mein geliebtes Tanzen braucht es noch ein bisschen Geduld. Im Großen und Ganzen geht es mir gut und ich bin dankbar für unser qualitativ hochstehendes Gesundheitssystem. Man hat sich hervorragend um mich gekümmert, ich war gut aufgehoben!

Weekend: Warum haben Sie Ihre Erkrankung öffentlich gemacht?
Claudia Kadur:
Da ich neun Tage im Spital verbringen musste und danach noch kurz in Quarantäne war, hat die Gerüchteküche bereits gebrodelt. Dankenswerterweise erhielten ich und meine Familie viel Zuspruch und Hilfsangebote. Meine Nachbarin übernahm die Hunde für den Gassigang, meine älteste Tochter und die Schwester kauften für uns ein und stellten uns die Einkäufe vor die Türe. Um die Vielzahl an Anfragen zu bewältigen, habe ich ein Posting auf Facebook verfasst, in dem ich die mögliche Ansteckung – ich gehe davon aus, dass es passiert ist, als mich eine junge Frau im Supermarkt angehustet hatte – sowie die Ernsthaftigkeit der Erkrankung angesprochen habe.

Weekend: Wie äußerte sich die Infektion?
Claudia Kadur:
Nach Tagen mit Gliederschmerzen und hohem Fieber glaubte ich erst an eine Grippe. Da ich in keinem Risikogebiet war, erfolgte meine Testung erst nach weiterer Verschlechterung meines Gesundheitszustandes. Vom Infektcenter in Dornbirn wurde ich direkt mit der Rettung ins Krankenhaus Hohenems gebracht. Bei den Untersuchungen konnte ich nicht einmal mehr die Luft anhalten. Im Spital erhielt ich zwar durchgehend eine Sauerstofftherapie über eine Nasensonde, musste jedoch zum Glück nicht künstlich beatmet werden. Am schlimmsten waren die Nächte: Man hat Schmerzen, Fieber, Übelkeit und hängt durchgehend an Infusionen. Ein Zustand, der sich viel schlimmer als eine heftige Grippe anfühlt.

Weekend: Neben gesundheitlichen Sorgen geht es nun auch um Ihr Geschäft?
Claudia Kadur:
Die Situation von EPU (Einzelpersonenunternehmen) ist ja sehr speziell. Ich habe keine Berufsausfallsversicherung, auch Krankengeld bekomme ich als Selbstständige nicht. Dazu kommen die finanziellen Ausfälle – seit dem Lockdown sind weder Baby- noch Familienfotos etc. möglich. Ansonsten lebe ich derzeit von meinen Rücklagen. Wenn die Krise nicht zu lange dauert, hoffe ich es gut zu meistern. Wer Angestellte und Studiomietkosten hat, hat es schwerer. Ich persönlich bin froh, dass ich wieder gesund bin – wir sitzen alle im selben Boot!

Weekend: Wie sieht die nahe Zukunft aus?
Claudia Kadur:
Große Hochzeiten werden noch länger nicht erlaubt sein. Ich dürfte Beerdigungen fotografieren, aber dafür war bislang noch keine Nachfrage. Ich hoffe, dass nun zumindest erste Familienfotoshootings mit Sicherheitsmaßnahmen möglich sind. Die Babies warten nicht – die werden groß.

Zur Person: CLAUDIA KADUR

  • Fotografin
  • Jahrgang 1973
  • Hohenems, in Partnerschaft,
  • Lehre zur Fotografin und Fotokauffrau, Schul- und Kindergartenfotografin in CH, Familienzeit, interimistische Nageldesignerin, seit 2014 mit eigenem Fotostudio selbstständig
  • Hobbys: Shelties, Fiat 500, Tanzen (West Coast Swing)
  • www.claudiakadur-fotografin.at
Autor: Claudia Weiss , 29.06.2020