Aus Sonne wird Eis: Ein Eiswürfel für jeden Wiener

In einem Grätzl der Brigittenau herrscht auch im Sommer sibirische Kälte. In den riesigen Hallen der Wiener Eisfabriken wird Gefriergut für den Bedarf der gesamten Stadt gelagert. Tonnenweise warten hier Pommes, Gemüse, Eislutscher und vieles mehr auf die Auslieferung. Die ultimative Gefriertruhe für Wien wird aber auch von Pharmaunternehmen gebucht, die hier Blutplasma für die Medikamentenproduktion bei bitterkalten minus 30 Grad lagern. „Wir sind froh, dass unsere Hallen derzeit praktisch ausgelastet sind. Trotzdem freuen wir uns natürlich über jede Anfrage“, meint Obmann-Stellvertreter Wolfgang Adler.

Was kann man sich unter zwei Megawattstunden Energie pro Tag vorstellen, die das Photovoltaikkraftwerk bei Sonnenschein erzeugt? „Wir haben das in einige faszinierende Bilder umgerechnet“, zeigt sich Geschäftsführer Roland Spitzhirn erfreut. „Rechnerisch geht sich für jede Wienerin und jeden Wiener täglich mehr als ein eigener Eiswürfel aus.“ Immerhin könnten mit der Sonnenkraft vom Dach der Wiener Eisfabrik auch rund 10.000 Haushalte einen modernen Kühlschrank betreiben. Ein anderer Vergleich abseits von Kälte und Eis: Mit derselben Energiemenge rollen 50 Teslas an einem Tag von Wien nach Graz.

Eiskaltes Business seit 1898

Zur Gründungszeit im 19. Jahrhundert wurden die Eisblöcke zur Lebensmittelkühlung noch aus der Donau geschnitten und mit 200 Pferde- und Ochsengespannen an die Betriebe ausgeliefert. Eisblöcke im Format von 100 x 50 x 50 cm werden heute nur noch auf Bestellung für Events, Eiskünstler und auch private Eisbars erzeugt. Die Kälte wird jetzt ausschließlich elektrisch, mit hocheffizienten Maschinen hergestellt und in bestens isolierte Hallen geleitet.

Klimaschutz im Fokus

Auch wenn Corona in der Kommunikation die gegenwärtigen Umweltprobleme überlagert, so sind diese nicht vom Tisch. Das Sonnenkraftwerk der jüngsten Generation leistet ab sofort einen nachhaltigen Umweltbeitrag. „Die bei uns gelagerten Tiefkühlprodukte werden auf diese Weise ein Stück weit ökologischer. Und das Gute daran ist, dass sich der Umweltschutz auch wirtschaftlich rechnet. Die aus der Sonne gewonnene Kälte macht deshalb doppelt Sinn“, ist Wolfgang Caspar, Obmann der Genossenschaft, überzeugt.

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Author: Stefanie Hermann , 06.05.2020