Die Kunst des Schweigens: Halt den Mund

"Jetzt sag doch auch etwas dazu!" Schweigen. Scheinbar ewig redet die Frau auf ihren Mann ein, doch der bleibt stumm. Ein "Hm" oder "Ach so" ist alles, was er von sich gibt. Eine Taktik, die manchmal nicht so schlecht ist.

Schweigen statt streiten

Besonders in langjährigen Beziehungen scheint sich das Sprichwort "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" zu bewahrheiten. Eigentlich ist das Leben viel zu schön, um zu streiten. Doch manche Themen liegen wie Tretminen überall im Beziehungsalltag. Gerade langjährige Partnerschaften haben, so zeigt eine Studie der San Francisco State University, eine Lösung gefunden: Sie gehen Streitthemen bewusst aus dem Weg. Entweder schweigen sie das Thema tot oder lenken ab. Junge Paare diskutieren Probleme gerne aus. Oft bis die Fetzen fliegen.

Weniger ist mehr

Auch im Job ist es manchmal besser den Mund zu halten. Wer etwas von einem Thema versteht, sagt es in drei Sätzen. "Quasselstrippen nimmt keiner ernst. Je mehr man redet, desto weniger wirkt man", sagt etwa Kommunikationstrainerin Cornelia Topf. In ihrem Buch "Einfach mal die Klappe halten" (Gabal-Verlag) erklärt sie, warum schweigen oft besser ist als zu reden.

Sprech-Pingpong

Auf einen Vorwurf folgt eine Rechtfertigung, auf eine Drohung eine Gegendrohung, wer jammert, wird getröstet: Es gibt Dutzende Kommunikationsmuster, die wir von klein auf lernen. Diese gilt es zu durchbrechen. "Erst indem wir auf eine Provokation reagieren, geben wir ihr überhaupt Gewicht", so Topf. Wer sich verteidigt, ist in der Defensive. Oft ist es besser eine Beleidigung bewusst zu überhören. Das heißt nicht, dass man sie annimmt.

Schweigen wirkt intelligent

Menschen, die schweigen, wirken auf andere klug, souverän und selbstbewusst. Auch wenn sie das gar nicht sind. Wer das noch mit einem Lächeln kombiniert, wirkt gleich 20 Prozent intelligenter. Das beweisen Studien. Dieses Phänomen nennt der Psychologe Attribution (unbewusste Zuschreibung von Eigenschaften). Es handelt sich um dasselbe Phänomen, das Brillenträger schlauer erscheinen lässt.

Schweigen schafft Respekt

Wir plappern, wenn wir nervös sind oder uns in die Ecke gedrängt fühlen. Im Redeschwall geht aber oft die Wirkung verloren. So flößt z.B. Großvaters strenger Blick mehr Respekt ein, als Mamas ewiges "Gekeppel". Das nimmt schon lange niemand mehr ernst.

Schweigen macht interessant

Wer nicht viel redet, der lässt sich auch nicht in die Karten schauen. Eine Regel aus der Wirtschaft: Verknappung macht interessanter. So spricht etwa Natalie Portmann nur selten in der Öffentlichkeit. Der Hollywoodstar erhält sich dadurch ein mysteriöses Image.

Schweigen verbindet

Schweigen ist peinlich, glauben vor allem Frauen. Weil man dem anderen damit signalisiert: Ich mag dich nicht!"Probieren Sie einmal die Gesprächspause aus", empfiehlt Topf. Gemeinsam schweigen zu können verbindet und schafft Vertrauen.

Schweigen ist taktisch

Wer nur wenig spricht, tappt nicht so schnell in die Falle etwas Falsches zu sagen oder vorschnell eine Entscheidung zu treffen. "Mir hat es noch nie geschadet, dass ich etwas nicht gesagt habe", sagte etwa Calvin Cooldige, 30. US-Präsident.

Schweigen macht wichtig

Kunstpausen sind theoretisch klug. Ein Pause am Satzende oder bevor etwas Wichtiges gesagt wird, betont das Gesagte. "Das setzt aber voraus, dass man auch weiß, was wirklich wichtig ist", so Topf.

Schweigen gibt Kraft

Warum halten wir es so schwer aus eine Stunde alleine in einem Zimmer zu sein? Weil wir die Stille nicht ertragen - obwohl wir sie brauchen. So schöpfen wir neue Energie. Einfach mal wieder ausprobieren.

Autor: Laura Engelmann, 19.07.2017