Kriege gehören in die Kaserne

Es ist das neueste Prunkstück des Museums. In einer Vitrine sind Brustpanzer, Helm und Schwert eines „Sipahi“ ausgestellt, eines Reiters der osmanischen Armee. Die wertvolle Ausrüstung stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde auf einer Militaria-Auktion ersteigert. Ein ungewöhnliches Detail ist das christliche Kreuz auf der Schwertklinge. „Es handelt sich um eine Beutewaffe aus der Zeit der Kreuzzüge“, erklärt Oberst Kurt Mitterer, der durch die Sammlung führt. „Das ist wirklich einmalig“, sagt Mitterer stolz.

Privatmuseum

Die Sammlung ist jene des „Salzburger Wehrgeschichtlichen Museums“ (SWGM) im Objekt 21 der Schwarzenbergkaserne. Oberst Mitterer (64) ist der in Salzburg stationierte oberste Techniker der Streitkräfte im Österreichischen Bundesheer und gleichzeitig der ehrenamtliche Museumsdirektor. Das „SWGM“ wie es in Anlehnung an das Wiener „HGM“ (Heeresgeschichtliches Museum) heißt, ist 2014 von der Riedenburg- in die Schwarzenbergkaserne übersiedelt.

150 Experten

Mit dem „HGM“ hat das „SWGM“ rechtlich und organisatorisch nichts zu tun. Ersteres untersteht dem Verteidigungsministerium, letzteres ist ein reines Privatmuseum, getragen von einem Verein mit derzeit rund 150 Mitgliedern, zusammengesetzt aus Zivilisten und Militärs, Akademikern, Hobbyhistorikern, Sammlern und passionierten Bastlern und Handwerkern. Alle ausgestellten Objekte gehören dem spendenbegünstigten Verein selbst.

Hauptzweck Forschung

Vereinszweck ist militärwissenschaftliche Forschung mit dem Schwerpunkt auf Landesgeschichte und Geschichte des Bundesheers. „Den Verein gibt es seit 1992 und er geht auf eine Initiatives des ehemaligen Militärkommandanten General Engelbert Lagler zurück“, erklärt Mitterer, der parallel zu seiner Offiziersausbildung auch ein Geschichtestudium absolviert hat. „Das Sammeln ist zunächst eigentlich ein Nebenprodukt des Forschens und Publizierens gewesen, aber es hat sich sehr schnell verselbstständigt. Heute haben wir rund 13.000 Objekte erfasst, das macht uns nach dem HGM zum zweitgrößten Militärmuseum Österreichs“.

Panzergarten

Wie im HGM im Wiener Arsenal gibt es in der Schwarzenbergkaserne auch einen „Panzergarten“, einen Freibereich für schweres Gerät. Geschütze sind da aufgestellt und Panzer wie der amerikanische M60. Zwei der legendären sowjetischen T34 sind auch zu bestaunen. Die Standardpanzer der Roten Armee im II. Weltkrieg waren ein Geschenk der abziehenden Russen für das im Aufbau befindliche österreichische Bundesheer.

Türken im Lungau

Und was hat eine türkisch-osmanische Rüstung mit Salzburger Landesgeschichte zu tun? Das Exponat gehört zur laufenden Sonderausstellung über „Salzburger Kontingente im Dienste des Kaisers. Militär aus Salzburg auf Kriegsschauplätzen Europas.“ Darin wird auch die Entsendung von 700 Salzburger Söldnern im Dienste des Fürsterzbischofs nach Wien geschildert. Die Salzburger Truppe stand 1683 den Wienern bei der zweiten Türkenbelagerung bei. Und noch einen Konnex gibt es: im Jahr 1478 stießen plündernde osmanische Reiter bis in den Lungau vor. Die Wehrbauten von St. Leonhard bei Tamsweg wurden damals zur Abwehr der „Türkengefahr“ errichtet.

Öffnungszeiten: Mittwoch von 10-12 Uhr und 13-15 Uhr Besuch nach Voranmeldung unter: Tel. 0664 7508 oder 050201 80 40643

Autor: Simone Reitmeier , 16.06.2020