Rettung im Doppelpack

Obwohl Iris und Julia Schlick-Steiner zweieiige Zwillinge sind, auf den ersten Blick kann man die beiden optisch und auch von der Gestik kaum unterscheiden: „Das geht vielen so“, sagen die zwei 18jährigen Tirolerinnen lachend. Dass sie mit der Entscheidung, beim Roten Kreuz ein Freiwilliges Sozialjahr zu absolvieren, eine sehr ernstzunehmende Aufgabe übernommen haben, ist ihnen durchaus bewusst. Und schon bei einem ihrer ersten Einsätze im Zuge ihrer Ausbildung erlebten sie dramatische Szenen. „Wir waren gerade mit dem Krankentransporter unterwegs, als wir durch Zufall eine Messerstecherei live miterlebt haben. Sofort haben wir die Polizei und den Notarzt alarmiert und sind aus dem Krankenwagen herausgesprungen. Wir konnten jedoch nicht sofort helfen, da ein Mann mit dem Messer in der Hand dagestanden ist. Das Opfer ist am Boden gelegen und hat sich nicht gewehrt. Plötzlich haben Passanten mit Zivilcourage den Täter von hinten festgehalten und so konnten wir die Erstversorgung vornehmen“, erzählt Iris und erklärt wie sie als Neuling mit dieser Situation umgegangen ist: „In diesem Moment habe ich einfach nur gehandelt. Stunden später war mein Adrenalin immer noch geladen, doch dann ist mir bewusst geworden, dass der Mann gestorben wäre, wenn wir ihm nicht so schnell gerettet hätten. Da fühlt man sich dann gut und sinnvoll“.

Ernster Notfall

Auch Julia war erst kurze Zeit im Freiwilligen Sozialjahr, als sie einen aufregenden Fall miterlebte: „Ich war mit anderen Helfern bei einem Event stationiert, als plötzlich ein paar Leute ganz in der Nähe um Hilfe gerufen haben. Ein Mann hatte einen Herzinfarkt mit Atemstillstand. Ich habe den Notfallcheck gemacht und reanimiert. Die Rettungskette hat so schnell funktioniert, dass der Mann nach zehn Minuten wieder ansprechbar war. So haben wir im das Leben gerettet“, erinnert sich Julia.

Spontanität ist gefragt

Dass man als Rotes Kreuz Helfer auch erfinderisch sein muss, zeigt der Fall eines taubstummen Ehepaares. Der Mann war gestürzt und die Kommunikation eine Herausforderung für Julia: „Ich habe die Fragen auf einen Zettel geschrieben, das hat gut funktioniert“. Seit sieben Monaten absolviert das Zwillingspärchen das Freiwillige Sozialjahr im Rettungsdienst. Und auch wenn die beiden noch nie gemeinsam einen Einsatz hatten, haben sie dennoch die gleichen Erfahrungen und Werte mitgenommen: „Bei dieser Arbeit trifft man auf alle sozialen Schichten. Man wird ins Flüchtlingsheim ebenso gerufen wie in die Luxusvilla. Wir haben in dieser Zeit gelernt, dass man es wirklich wertschätzen muss, wenn es einem gut geht. Und man lernt, dass es ein gutes und ein schlechtes Ende von Notfällen gibt und dass Menschen auch sterben, wenn man alles gegeben hat“, so die zwei unisono. Und auch da sind sich die beiden einig: „Diese Tätigkeit können wir auf alle Fälle weiterempfehlen. Es zahlt sich aus, denn man lernt viel Neues dazu“. Wer also auf der Suche nach einem besonderen sozialen Engagement über 18 Jahre alt ist und sich selbst besser kennenlernen möchte, kann sich gerne beim Roten Kreuz unter 057 144 112 oder unter freiwilligkeit@roteskreuz-tirol.atüber diese spannende Tätigkeit erkundigen.

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Autor: Conny Pipal , 17.05.2018