Bye Bye, Love

Fünfzehntausendneunhundertneunzehn Ehen landeten im Jahr 2016 allein in Österreich vor dem Scheidungsrichter. Viele der heimischen Ehen sind vorbei, lange vor dem abgelegten Gelübde "bis dass der Tod uns scheidet". Während die Ehedramen der Normalbürger meist nur einen kleinen Personenkreis beschäftigen, finden Promi-Scheidungen meist in aller Öffentlichkeit statt. So konnte man sich der Information, dass Katie Holmes sich um den Einfluss von Scientology auf das gemeinsame Töchterchen Suri fürchtet und vor allem deswegen die Scheidung wollte, fast nicht erwehren. Hinzu kamen aufgewärmte News der früheren Beziehungen und Scheidungen von Cruise mit Mimi Rogers und Nicole Kidman. Dann die plötzliche Kehrwendung: Nur zwei Wochen nach Bekanntwerden der Trennung, einigten sich Holmes und Cruise auffällig unauffällig, die Papiere wurden unterzeichnet und die damals sechsjährige Suri blieb bei ihrer Mutter in New York. Vater Cruise erhielt ein umfangreiches Besuchsrecht. Damit war das Ehe-Aus von "TomKat" eines der schnellsten und diskretesten Hollywoods - anders, als es viele Berufskollegen vorgemacht hatten. Etwa Mel Gibson, der im Rosenkrieg mit der russischen Sängerin Oksana eine Menge Kohle sowie seinen guten Ruf verloren hatte.

Promi-Probleme

Anwalt Manfred Ainedter: "Bei Prominenten tendiert meist einer dazu, den Streit in die Öffentlichkeit zu tragen. Das erschwert selbstverständlich einen vernünftigen Vergleich, da immer beide als stark erscheinen wollen." Der Anwalt selbst hat immer versucht, von ihm betreute Fälle klammheimlich abzuwickeln: "Das ist mir auch zumeist gelungen." Der Strafverteidiger und Scheidungsanwalt selbst ist kurioserweise ein Fan der Institution Ehe, hat sogar den einschlägigen Ratgeber "Ein Fall für Zwei" publiziert und ist selbst seit 36 Jahren glücklich verheiratet.

Gründe für ein Ehe-Aus

Die Ursachen, warum eine Liebe endet, sind mannigfaltig. Ganz oben auf der "Hitliste" stehen aber die Themen Geld, Sex - von außerhäuslich über zu selten/oft bis hin zu qualitativ unzureichend und mangelnder, beziehungsweise schlechter Kommunikation Bei Prominenten ortet Ainedter öfter die Gefahr eines Seitensprungs beziehungsweise einer neuen Liebe, als bei Normalsterblichen - "einfach, weil es hier mehr Versuchungen gibt. In diesen Fällen geht es weit öfter um eine dritte Person als um allgemeine Lieblosigkeit", berichtet der Experte.

Schlammschlachten

Prominente Beispiel für nicht (mehr) funktionierende Beziehungen gibt es genug: denkt man etwa an den Scheidungskrieg von unser aller Arnie Schwarzenegger mit Maria Shriver, ausgelöst durch seine Affäre samt Nachwuchs mit einer Hausangestellten. An das Ehe-Aus von Boris Becker und Babs, nach der "Besenkammeraffäre", bei der Becker seine damals hochschwangere Frau in der Wäschekammer eines Hotels mit der gebürtigen Russin Angela Ermakova betrogen hatte. An die Schwäche Silvio Berlusconis für jüngere Frauen und "Bunga Bunga", die seine Frau Veronica Lario irgendwann nicht mehr ertrug. Oder an den 82-jährigen Waffenproduzenten Gaston Glock, der sich 2011 nach 49 Jahren Ehe von seiner Frau Helga scheiden ließ, um eine 52 Jahre jüngere Kärntnerin zu heiraten. "Sitzen die Leute erst einmal beim Anwalt, wollen sie im Normalfall auch keine Mediation oder Eheberatung mehr", weiß Ainedter.

Die Folgen

Ist endgültig klar, dass die Liebe gestorben ist, entbrennt sehr oft ein erbitterter Streit um Dinge, die zumindest etwas handfester scheinen als Gefühle: Geld, Besitz und auch das Sorgerecht für gemeinsame Kinder, so diese noch klein sind. Öffentliche Schlammschlacht sehr oft inbegriffen. Dabei wären doch die Tipps von Manfred Ainedter für eine langfristige funktionierende Ehe - gegenseitige Liebe einmal vorausgesetzt - so leicht umzusetzen: Ständig an der eigenen Beziehung arbeiten und das Gespräch suchen, zeichnen sich unliebsame Veränderungen ab. Die Frage bleibt: Warum hat sich das bis zu den meisten Scheidungswilligen und -opfern bloß noch nicht herumgesprochen?!

Author: Laura Engelmann , 07.07.2020