Phils Papa-Blog: Ungeplanter Papamonat

Jetzt sitzen wir da. Seit fast zwei Wochen schon. Ich und mein fünfjähriger Junior, von den äußeren Umständen zu intensiver Gemeinsamkeit eingeteilt. Meine Frau muss weiterhin jeden Tag in die Arbeit fahren. Mein Junior baut in meiner Sichtweite einen Bauernhof aus Lego, kommentiert dabei jeden Arbeitsschritt. Und ich bin froh, einen relativ pflegeleichten Sohn zu haben.

Einstellungssache

Anfangs sind schon ein paar Tränchen geflossen, als er erfahren hat, dass er jetzt länger nicht in den Kindergarten gehen kann. Auch die gemeinsamen Nachmittage mit dem Nachbarsbuben müssen von der kurzen Bank in dessen Baumhaus auf die lange Bank der Selbstisolation geschoben werden. Aus zwei Wochen, die der Kindergarten geschlossen hält, wurden drei. Dann vier.

Der Nachbar ist gerade regulär im Papamonat, naja, einen solchen habe ich jetzt auch bekommen.

Wer keine Kinder hat, kann sich unter diesen Umständen drei Stunden am Tag auf den Crosstrainer stellen, die über 4.200 bisher erschienenen Seiten von George R.R. Martins Fantasy-Saga "Das Lied von Eis und Feuer" lesen, die Möbel seiner Wohnung nach Herzenslust neu arrangieren, einen Serien-Marathon nach dem anderen starten oder was weiß ich machen.

Einbinden

Also, was tun? Tagesausflüge in den Zoo fallen ebenso flach wie einfach mal aus Spaß mit dem Bus in die Stadt reinfahren und wieder zurück. Bleibt nur die Beschäftigung daheim - oder im Garten. Sofern man in der glücklichen Lage ist, einen solchen zu haben.

Nicht umsonst heißt es, man solle den Nachwuchs so gut es geht in die täglichen Arbeiten des Alltags einbinden. Das versuche ich jetzt noch mehr als sonst, soweit es möglich ist. Der junge Mann hilft beim Tisch decken und abräumen, er soll ruhig die Nudeln im Kochtopf umrühren. Er darf den Geschirrspüler und die Waschmaschine einschalten und einen besonderen Narren hat er am Staubsaugen gefressen.

Ja, man muss da auch mal selbst noch einen zweiten Saug-Durchgang starten. Aber wir haben ja Zeit.

Strukturieren

Außerdem achte ich darauf, dass die Tage nicht ziellos vor sich hin laufen. Damit meine ich nicht nur, dass es wirklich vier regelmäßige Mahlzeiten am Tag gibt anstatt permanent vor sich hin zu futtern - wir Erwachsenen kennen das ja und auch so manche Oma ist dafür prädestiniert. Ich meine ganz generell, dass der Tag eine wiederkehrende Struktur hat.

Sprich: Es gibt eine Zeit, in der wird Vorgelesen. Es gibt eine Zeit, in der wird, sofern es das Wetter erlaubt, in den Garten gegangen. Es gibt eine Ruhephase und eine Kreativphase, in der gemalt, Lego gebaut oder ähnliches in Angriff genommen wird. Im Grunde ist es nicht anders als im Kindergarten, nur eben ohne andere Kinder. Sondern mit dem Herrn Papa.

Und, so ehrlich muss man sein, mit dem Fernsehen wird es dieser Tage auch nicht ganz so eng gesehen.

Lernen? Noch nicht

Mein Sohn hat noch eineinhalb Jahre Zeit, bis er in die Schule kommt. Das heißt, dass ich mich mit Home-Schooling noch nicht eingehend beschäftigen muss. Das betrifft andere viel mehr als mich. Ich glaube, ich muss mich da mal mit dem Kollegen unterhalten, der zwei Teenager hat.

Sobald der mal ein paar Minuten Zeit hat.

Weekend-Redakteur Philipp Eitzinger ist mit Herz und Seele Fußball–Fan, Ehemann - und Vater. Exklusiv für weekend.at schildert er den gleichermaßen erfüllenden wie hektischen elterlichen Alltag zwischen Krabbelstube und Kinderzimmer, Badewanne und Warteraum – heiter bis nachdenklich.

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Autor: Philipp Eitzinger , 06.07.2020