Multimama am Bauernhof

Es gibt viel zum Staunen, wenn man den Schneggâhof am Imsterberg betritt. Die größte Überraschung aber ist die Bäuerin selbst. Christine Schnegg, eine zarte, fast zerbrechlich wirkende Frau ist liebevolle Mutter von neun Kindern im Alter von 14 und 32 und zwei kleinen Enkerln ebenso wie taffe Geschäftsfrau, die eine Vielzahl von Funktionen innehat. Bei unserem Besuch ist dreifache Landessiegerin für Vollkorn- und Bauernbrot gerade dabei, selbstgebackene Laibe, Joghurt ,Kräuteraufstriche und Nudeln für den Bauernmarkt in Imst vorzubereiten, den sie auf die Beine gestellt hat und jeden Samstag mit frischen regionalen Produkten versorgt. Das ist nur eine ihre unzähligen Aufgaben, die Christine Schnegg als Obfrau des Vereines „Insrix“, der 28 Bauern aus dem Bezirk vereint: “Ich kümmere mich um die gesamte Organisation wie das Marketing, Newsletter versenden und vieles mehr. Dazu haben mich die vier Bürgermeister aus der Gegend verdonnert,“ lacht sie und ergänzt, dass sie große Freude an dieser Arbeit hat, die nur eine von schier unzähligen ist. Viele ihrer Funktionen übt sie ehrenamtlich aus. Bildung samt Babyreigen

So ist sie bereits die dritte Periode als Gemeinderätin für den Sozialausschuss zuständig, Obfrau des örtlichen Kneippvereines, Pilatestrainerin, betreibt am Bauernhof das hauseigene „Hofladele“, ist ausgebildete Kräuterpädagogin, hält Handarbeitskurse für Bäuerinnen und das Projekt Schule am Bauernhof und Kindergeburtstage am eigenen Hof ab und hat neben ihren Kindern eine Reihe von Ausbildungen absolviert: „Ich habe den Hauswirtschaftsmeisterkurs an der Landwirtschaftlichen Fachschule in Imst gemacht. Als ich begonnen habe, war meine Tochter Martina drei Monate alt, elf Monate später ist Melanie auf die Welt gekommen. Drei Monate nach meinem Abschluss habe ich meinen Sohn Fabio geboren. Ein Jahr später besuchte ich die Bauernunternehmerschule in Landeck: „Während der Ausbildung habe ich wieder zwei Söhne gekommen“. Wenn Christine auf einer Bildungsreise war, kümmerte sich Gatte Gabriel um die lebhafte Schar.

Perfekt abgewickelt

Wie sie alles unter einen Hut gebracht hat? So lange sie denken kann, war es ihr größter Wunsch, viele Kinder zu haben. Sie selber ist mit sieben Brüdern aufgewachsen. Als die Mutter die Familie verlassen hat, kümmerte sich Christine um ihre Geschwister. Als sie selber Mutter geworden ist, hat sie nie gesagt, dass sie etwas nicht schafft oder dass ihr etwas zu Viel ist: „Mein Erstgeborener ist aus der ersten Ehe und es dauerte sieben Jahre, bis die anderen an der Reihe waren. Die meisten waren Hausgeburten. Wenn ich ambulant entbunden habe, war ich nach sechs Stunden wieder zuhause,“ erzählt sie schmunzelnd: „Es gab Zeiten, da habe ich drei Kinder nebeneinander gewickelt und 15 Jahre keine Nacht durchgeschlafen, das war für mich nie ein Problem. Ich bin mit jedem Kind immer mehr aufgeblüht.“. Christine hat alle ihre Kinder gestillt und vom ersten Tag an durfte der Nachwuchs ins elterliche Bett: „Manchmal haben auch fünf Kinder bei uns geschlafen,“ sagt sie und erinnert sich an die wunderbaren Momente, wenn um sechs Uhr früh die Tagwache für die Familie begann: „Ich habe meinen Kindern gesagt, sie sollen zuhören, wie schön das ist, wenn draußen die Vögel singen.“

Alle Neune

Christine Schnegg war stets mit allen Kindern unterwegs. Wenn sie des öfteren nach Innsbruck zum Großeinkauf musste, verstaute sie kurzerhand alle neun Kids in den VW Bus: „Die Kinder sagen heute noch zu mir: Wie hast du das nur geschafft?“ Kein Wunder, dass der Nachwuchs sich Zuhause wohl fühlt. Alle, bis auf eine Tochter, die ihr Haus 20 Meter Luftlinie entfernt gebaut hat, wohnen noch daheim: „Jedes Kind hat ein eigenes Zimmer. Es ist das Schönste für mich, für alle zu kochen und zu waschen. Wenn die Arbeiten am Feld anstehen, greift Christine zu einem modernen Kommunikationsmittel: „Ich schreibe ein Whats App, dass wir uns um sechs Uhr früh vor dem Haus treffen. Wer von den Kindern Zeit hat, schickt mir einen Daumen hoch,“ so die taffe Landwirtin. Der Zusammenhalt in der Familie geht im wahren Sinne unter die Haut. So hat jedes Mitglied, bis auf die drei Jüngsten, eine Schnecke, das Logo vom Hof, am Handgelenk tätowiert: „Meines habe ich von den Kindern zum 50. Geburtstag bekommen,“ verrät die heute 53-Jährige, deren unglaubliche Leistungen im vergangenen Jahr mit der Verdienstmedaille des Landes Tirol gewürdigt wurden.

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Autor: Conny Pipal , 26.05.2017