Heißes Eisen: Qualitätsschmiede im Unterland

Statt hochintelligenter Computer und Roboter sind im Himmelberger Zeughammerwerk Leonhard Müller & Söhne Augenmaß und Feingefühl gefragt. In präziser Handarbeit werden in diesem Familienbetrieb bis zu 150.000 Äxte, Beile, Haken, Meißel, Krampen, Schaufeln und Spezialwerkzeuge hergestellt. Produziert werden sie auf zum Teil mehr als 100 Jahre alten Maschinen, die mittels eines hauseigenen Kraftwerks von der Lavant betrieben werden.

Tradition & Moderne

Die Müllers schmieden seit 1675 und ab 1918 ist der Standort der Manufaktur Frantschach. Und trotz der ordentlichen Jährchen am Buckel und der scheinbar altmodisch erscheinenden Arbeitsweise, ist der Betrieb alles andere als altbacken. „Wir haben eine lange Firmengeschichte, leben aber von der Innovation und werden von ihr angetrieben“, betont Josef „Seppi“ Müller, der gemeinsam mit seinen Cousins Leonhard und Wolfgang Müller den Familienbetrieb bereits in zwölfter Generation führt. Den Startschuss zu einem wahren Innovationsschub gab vor rund 20 Jahren die Erfindung der dynamischen Spaltaxt, die so konzipiert ist, dass die Gelenke des Benutzers maximal geschont werden. Damit wurden die erfolgreichen Lavanttaler Unternehmer neben anderen Preisen sogar mit dem Kärntner Forschungs- und Innovationspreis ausgezeichnet.

Damit trifft jeder

Die TRIFFFIX ist ebenfalls eine Erfindung
aus dem Hause Müller und ist ein Designprodukt zum Feuerholz machen. Bei diesem Werkzeug ist die Technik umgekehrt: Das Holz wird mit einem behutsamen Schlag angehackt und sobald die Axt im Holz steckt, werden beide gemeinsam auf einen Hackstock geschlagen. Zu haben ist die TRIFFFIX-Axt mit hochwertigem Griff aus Hickoryholz in drei Modellen – für Herren, Damen und Jugendliche. Für maximale Arbeitssicherheit wird die TRIFFFIX mittels elastischem Band befestigt. „So können auch Senioren oder Menschen mit Beeinträchtigungen mit dieser Axt leicht arbeiten“, erklärt Müller. Dass Sonderwünschen im Müller-Werk fast keine Grenzen gesetzt sind, zeigt unter anderem die mit Strasssteinen besetzte TRIFFFIX. „Ich wurde auf einer Messe von meinem Standnachbarn darauf angesprochen, er wollte für seine Frau, die gerne Holz hackt, ein einzigartiges Weihnachtsgeschenk. Nach einigem Tüfteln ist dann diese Idee entstanden“, erinnert sich Seppi Müller.

Grenzenlos

Wer nicht in Frantschach wohnt oder regelmäßig durch diese Ortschaft durchfährt, dem wird dieser Unterkärntner Familienbetrieb wahrscheinlich kein Begriff sein. Im Ausland sind die Müller-Cousins dafür umso bekannter und ihre Produkte gefragter. Mehr als 60 Prozent der Waren werden exportiert. Die Geschäftspartner sitzen in Europa, den Vereinigten Staaten von Amerika, in Japan und in Australien. Aber auch in den heimischen Kellern dürften noch einige Schätze lauern. Müller: „Wir arbeiten eigentlich gegen den Zeitgeist, weil man mit unseren Äxten problemlos bis zu 100 Jahre lang arbeiten kann. Es kommt schon vor, dass Müller-Werkzeuge gut behütet von Generation zu Generation weitergegeben werden.“

Hinter den Kulissen

Dass traditionelles Handwerken längst nicht out ist, zeigt die Beliebtheit des Hammerwerks als Ausbildungsbetrieb. Viele Lehrlinge bleiben den Müllers bis zur Pension als Arbeitskraft treu. Darüber hinaus wird auch ein besonderes Angebot, bei dem man nicht nur einen Blick hinter die Kulissen werfen, sondern auch selbst Hand anlegen darf, sehr gut angenommen. Müller: „Wir bieten Firmenvents zu Teambuildingzwecken an, bei denen die Teilnehmer sich unter professioneller Leitung des Meisters ihr eigenes Werkzeug schmieden und mit nach Hause nehmen können. Wir bekommen auch regelmäßig Besuch von Schülern, die sich ein Bild von unserer Arbeit machen. Es zeigt, dass Handwerk zwar unspektakulär scheint, aber in Wahrheit etwas Schönes ist, weil man kreativ tätig ist und etwas erschafft.“

Buchtipp

Wer noch mehr über die spannende Firmen- und Familiengeschichte sowie das Handwerk wissen möchte, sollte unbedingt einen genauen Blick in Leonhard Müllers 2010 erschienenes Buch „Heißes Eisen – Die Entwicklung der Meisteraxt oder wie moderne Zauberlehrlinge Ideen schmieden“ werfen.

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Autor: Mirela Nowak-Karijasevic, 17.07.2017