# metoo an Grazer Schule

#metoo – die ganze Kraft der Social-Media-Kanäle wurde im Vorjahr mit diesem Hashtag sichtbar. Die US-Schauspielerin Alyssa Milano hat mit ihrem Posting eine weltweite Debatte über Sexismus gegenüber Frauen ausgelöst. Wie notwendig dies war, zeigt allein schon ein unfassbarer Vorfall an einer Grazer Schule.

In der LFS (Landwirtschaftliche Fachschule) Grottenhof soll vor Kurzem ein Lehrer eine Schülerin belästigt haben. Der Mann soll das Mädchen vor versammelter Klasse aufgefordert haben, sich auf allen Vieren auf den Tisch zu stellen und den Kopf nach vorne zu beugen – anschließend wollte er an ihr das Fiebermessen bei Kühen demonstrieren. Klingt unglaublich, ist aber offensichtlich traurige Realität.

Im Büro des zuständigen Landesrats Johann Seitinger (ÖVP) wurde der Sachverhalt bestätigt. „Wir haben sofort bei Bekanntwerden die notwendigen Schritte eingeleitet. Eine Disziplinarkommission des Landes prüft jetzt die Vorwürfe“, heißt es in einer Stellungnahme – und: „Wir möchten festhalten, dass es sich um eine verbale Geschichte handelt und anscheinend keine Berührung stattgefunden hat.“ Abscheulich bleibt eine solche Tat zweifellos trotzdem. Der Lehrer wurde bis auf Weiteres vom Dienst suspendiert. Der Direktor der LFS Grottenhof wollte keine Stellungnahme abgeben, verwies eben auf das Büro von Landesrat Seitinger …

Machtmissbrauch in seiner übelsten Form

Die Grazer Frauenstadträtin Tina Wirnsberger (Grüne) zeigte sich bei der Schilderung der Vorwürfe gegen den Lehrer fassungslos. „Sexuelle Belästigung durch einen Lehrer gegenüber einer Schülerin ist eine besonders üble Form von Machtmissbrauch, für die es keine Entschuldigung gibt.“ Sie will sich vor allem für mehr Unterstützung von Betroffenen einsetzen. „Eines muss immer klar sein: Die Betroffenen sind niemals schuld und sie sind nicht allein! Sexismus und sexualisierte Gewalt sind keine Bagatellen und ich lege als Frauenstadträtin ein besonderes Augenmerk auf die Prävention und Unterstützung für Betroffene. Das bedeutet Bewusstseinsbildung wie durch unsere Kampagne ‚Graz steht auf – Gegen Gewalt an Frauen‘, leicht zugängliche Informationen über Hilfsangebote und Stärkung der Beratungseinrichtungen.“ Einrichtungen wie die Beratungsstelle Tara (Frauennotruf) leisten hier in der Landeshauptstadt hervorragende Arbeit – Informationen unter www.taraweb.at.

Die LFS Grottenhof war erst Anfang des Jahres in die Schlagzeilen geraten: Landesrat Seitinger will aus Kostengründen fünf Hektar Ackerland der traditionsreichen Schule (gegründet 1867) verkaufen. Damit soll Geld für die Errichtung des modernsten Bio-Impulszentrums Österreichs lukriert werden, Wohnungen auf diesen Flächen entstehen. Doch KPÖ, SPÖ und Grüne liefen gegen diese Pläne Sturm – was letztlich in einer Volksbefragung der Bewohner im Grazer Bezirk Wetzelsdorf gipfelte. Dabei haben sich 97 Prozent der Anrainer (die Wahlbeiteiligung lag bei 30 Prozent) für den Erhalt der Ackerflächen ausgesprochen. Für Seitinger ist dieses Ergebnis freilich nicht bindend …

Update

Die Weekend-Story hat großes Echo hervorgerufen. Mittlerweile wurden unsere Recherchen durch eine offizielle Aussendung des Landes bestätigt - und auch die handelnden Personen haben ihr Schweigen gebrochen. "Dieser Vorfall hat mich zutiefst berührt. Daher habe ich unverzüglich alle notwendigen Schritte eingeleitet, um die betroffene Schülerin zu schützen und diesen Vorfall restlos aufzuklären", wird etwa Landesrat Seitinger in dieser Aussendung zitiert. Grottenhof-Direktor Erich Kerngast, ursprünglich zu keiner Äußerung bereit, sagt in der Kleinen Zeitung, dass der Vorfall "so nicht stattgefunden hat". Das klingt freilich so, als ob sich alles zumindest nicht wesentlich anders ereignet haben dürfte.

Fraglich bleibt, bis wann die Disziplinarkommission zu einem Ergebnis kommen wird, schließlich prüft sie den Fall schon seit zwei Monaten.

Autor: Marcus Stoimaier, 08.03.2018