Corona & Krise: Ohne Web geht's nicht!

Mit dem Shutdown mussten viele heimische Händler ihre Komfortzone von heute auf morgen verlassen und neues Terrain - sprich, die virtuelle Welt - betreten, um Umsatz zu generieren. Die einen haben es besser gemacht, einige etwas schlechter. Grundsätzlich sind aber alle froh, wieder zurück in der „Normalität“, also im stationären Handel zu sein und die Onlinewelt verlassen zu haben. IT-Experte Markus Miklautsch kritisiert diese Denkweise: „Digital einkaufen ist nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart!“ Trotz öffentlicher Angebote, wie etwa dem Marktplatz des Landes, der WK und der LWK Kärnten „daspackma“, haben zu wenige die Chance genutzt. Rund 35.000 UnternehmerInnen gibt es in Kärnten, lediglich etwa 2.850 haben sich auf dieser Webseite präsentiert. Miklautsch: „Menschen reagieren erst, wenn sie Schmerz verspüren, das war vor Corona noch nicht der Fall. Der Shutdown hat den Onlinehandel zwar angeschoben, doch ist er hierzulande immer noch nicht in Fahrt.“ Dabei sei es dank modernster Technik und kompetenter Berater heutzutage gar keine große Herausforderung mehr, einen Onlineshop zu erstellen.

Nicht auf den Kunden vergessen

Was man braucht, ist Zeit. „Das Problem jener Marktplätze, die während des Shutdowns innerhalb kürzester Zeit entstanden sind, ist, dass sie unstrukturiert waren. Da suchte eine Mutter für das Homeschooling bestimmte Blätter und musste sich durch eine Liste von 2.000 Onlineshops klicken. Bei Amazon gibt man ein ‚grünes Blatt‘ und man bekommt sofort das Richtige angeboten“, kritisiert Miklautsch, dass man den Unternehmen mit diesen Plattformen zwar etwas Gutes tun wollte, aber völlig auf den Kundennutzen vergessen hat. Er selbst arbeitete schon seit 2019 an der Plattform „Kaufdaheim.at“, die auch auf Facebook mit einer 5.000 Mitglieder zählenden Gruppe vertreten ist und eine perfekte Verbindung von stationärem und virtuellem Handel ist. „In der Gruppe ist die Frage aufgetaucht, wo man Sensen dengeln lassen kann. Innerhalb kürzester Zeit gab es 50 Kommentare mit hilfreichen Tipps.“

Ein Schlachtfeld

Miklautsch selbst ist nicht nur IT-Experte, sondern verkauft auch Küchengriffe - hauptsächlich online über Amazon, von dessen Experten er auch gecoacht wird. Er hat also im Laufe der Jahre selbst erlebt, wie brutal der Onlinehandel geworden ist. „Ich verkaufe Küchengriffe aus Italien und Frankreich, jetzt werden auf Amazon gleiche Produkte aus China mit minderer Qualität zu einem Spottpreis angeboten. Wer aber international verkaufen will, muss das über Amazon machen. Wer sein Geschäft im regionalen Umfeld macht, braucht Amazon nicht.“ Was er sehr wohl braucht, ist ein Onlineshop oder einen Marktplatz, der genau auf diese Regionalität abzielt. Wer bei Amazon kauft, will das Produkt. Wer auf einer heimischen Plattform shoppt, will auch den Unternehmer dahinter kennen, ihn unterstützen. Und genau das fehle allen heimischen Marktplätzen, inzwischen gibt es übrigens rund 70 davon in Österreich. Angefangen bei „daspackma“ über „shöpping“, das schon länger online ist bis hin zu dem neuen „Kaufhaus Österreich“, dem vom Wirtschaftsministerium geplanten „virtuellen Einkaufszentrum“. Was nun? Miklautsch rät den UnternehmerInnen, sich ins Zeug zu legen und sich auf das „neue“ Geschäftsfeld vorzubereiten: „Der Aufwand für den Onlineshop lohnt sich!“

Autor: Mirela Nowak-Karijasevic , 01.07.2020