Mangalitza - schweinisch lecker!

Landeshauptmann Hans Niessl und Ex-TV-Großmaul Dominic Heinzl hatten ihre Hetz' miteinander. Als der damalige Society-Guru den Landes-Obersten vor ein paar Jahren vor laufender Kamera fragte, wie das Burgenland denn schmecke, antwortete Niessl sich auf den Bauch greifend: "Man sieht es – ein bisschen zu gut." Im gleichen Atemzug ließ Niessl fast reflexartig den Begriff "Mangalitzaschwein" fallen und lobte dessen "tollen Geschmack".

Glückliches Leben
Schauplatzwechsel. Auf der weitläufigen Weide im Nordburgenland tollen Mangalitza-Schweine auf dem Areal der Familie Kroiss nach Herzenslust herum. Hier im Seewinkel finden die pannonischen Mangalitzaschweine alles, was sie für ein glückliches, stressfreies Leben brauchen. "Unsere Tiere leben das ganze Jahr im Freien, sind sehr robust und trotzen jedem noch so schlechten Wetter. Die Schweine werden täglich zweimal besucht und betreut", erklärt Alois Kroiss. Nur eines wollen seine Tiere nicht: in den Stall gesperrt werden. "Das würden sie nicht akzeptieren."

In dem von der Familie Kroiss betriebenen Buschenschank "Gowerlhaus" in Illmitz erfreuen sich die Produkte aus den Mangalitzaschweinen größter Beliebtheit. Würstl, Presswurst, Blunzn, Speck und vieles mehr – der Mangalitza-typische Geschmack ist der Renner bei den Gästen.

Strauß-Lieblinge
Erst seit etwas mehr als 20 Jahren – seit der Eröffnung des Nationalparks Neusiedler See – erleben die Mangalitzaschweine in pannonischen Breitengraden eine Renaissance. Dabei gelten die robusten und zutraulichen Vierbeiner als ur-burgenländische (ursprünglich ungarische), heimische Schweinerasse, von der Musik-Genius Johann Strauß so angetan war, dass er ihr mit dem "Zigeunerbaron" ein Denkmal setzte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verloren die Mangalitzaschweine, auch Wollschweine genannt, allerdings ihre Attraktivität als Nutztiere: zu fett, zu behäbig. Mit der Eröffnung des Nationalparks wurden sie praktisch wiederentdeckt.

Hochwertiger Genuss
"Auch die Wiederentdeckung des Geschmacks stärkte dem Mangalitzaschwein den Rücken. Heute geht es um die richtige Abwechslung und um den Genuss hochwertiger Lebensmittel – und da kann das Wollschwein einiges beisteuern", heißt es auf www.genuss-region.at. Der intensive Geschmack, die unverkennbare Qualität, das hochwertige Fleisch – all das verquirlt den Genuss von Mangalitzaschwein-Produkten zu einem kulinarischen Gesamtwerk, das der dieser Tage so trendigen Gesundheitsschiene nicht mehr im Wege steht, sondern sie perfekt als Vehikel zu benutzen versteht.

100 Kilo Schlachtgewicht
Dass Qualität und Gesundheit bei der Zucht der Schweine eine große Rolle spielt, sieht man auch auf den Weiden der Familie Kroiss. Die Tiere scheinen relaxed, ja tiefenentspannt, durchaus zutraulich. "Ein bisschen muss man sich schützen, dass sie einen nicht ans Herz wachsen", sagt Hausherr Alois Kroiss im Gespräch mit dem Weekend-Magazin. Schließlich werden die Kroiss'schen Mangalitza-Schweine nach etwa eineinhalb Jahren geschlachtet. Bis dahin haben sie sich ein "Kampfgewicht" von 100 Kilogramm angefressen – ideal, um sie dank ihres hohen Fettanteils zu kulinarischen Delikatessen weiterzuverarbeiten. "Man könnte die Tiere theoretisch auch 200 oder 300 Kilo schwer werden lassen."

Kulturgut
Dass die voluminösen Wollschweine dieser Tage eine Renaissance betreiben, ist etwa auch den wissenschaftlichen Bemühungen geschuldet, die Rasse vor dem Aussterben zu retten. Gerade im deutschsprachigen Raum wurden mehrere Projekte aus dem Boden gestampft, um den Erhalt der Tiere zu sichern. Im Burgenland wurde ihr Fleisch Ende der 90er-Jahre sogar ins "Register der Traditionellen Lebensmittel" aufgenommen. In dem prestigeträchtigen Verzeichnis sind traditionelle Lebensmittel als Kulturgüter gelistet.

Mangalitzaschweine sind im Trend – sogar der Landeshauptmann outet sich als (manchmal zu großer) Fan der Tiere. Zur Beruhigung, Herr Niessl: Das Fleisch gilt als äußerst gesund.

Autor: Manfred Vasik, 19.04.2016