Literatur:im:süden: Die Sieger stehen fest

Inmitten der kulturpolitischen Turbulenzen setzt Kärntens größte Literaturvereinigung BUCH13 mit Sitz in Villach ihre Erfolgsarbeit fort und stellt die diesjährigen Preisträger der beiden Schriftstellerstipendien Literatur:im:süden vor. „Der Ansturm auf diese einmalige Gelegenheit, den Süden Österreichs literarisch zu erforschen, ist ungebrochen“, zeigt sich der Villacher Schriftsteller und Patron des Preises Gerald Eschenauer erfreut. Die österreichweit ausgeschriebene Auszeichnung erging heuer an die in Wien geborene und in Salzburg lebende 33 Jahre alte Anna Herzig. Die Tochter eines Ägypters und einer Kanadierin überzeugte die Jury durch Auszüge ihrer fantastisch fantasievollen Geschichte, dem unveröffentlichten Romanmanuskript „Die feinsten Dinge“ angesiedelt in einer österreichischen Dorfidylle. Der zweite Stipendiat ist der Niederösterreicher Richard Schuberth. Der Schriftsteller, Schauspieler, Singer/Songwriter und Journalist verweist auf ein beachtlich literarisches Repertoire. Schuberth wurde national und international mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Förderpreis des Theodor-Körner-Fonds und dem Hauptpreis der Diagonale im Rahmen des Carl-Mayer-Drehbuchwettbewerbs.

Blamage für Kulturnation

„Die Qualität der eingereichten Texte war heuer immens hoch, was uns natürlich besonders freut und zusätzlich motiviert hat“, erzählt Gerald Eschenauer, der gemeinsam mit der Jury, Ernst Willner-Preisträger Ludwig Roman Fleischer und Germanist Universitätsprofessor Arno Rußegger die diesjährigen Preisträger ermittelte. Gleichzeitig zeigt sich der Villacher Schriftsteller und Literaturvermittler über die derzeitigen, kulturpolitischen desaströsen Entwicklungen erschüttert. „Wie aktuell mit der Kultur in diesem Lande umgegangen wird, ist ein Skandal“, so Eschenauer. „Selbst unsere deutschen Nachbarn agieren kulturfreundlicher!“ Eine Blamage für die Kulturnation Österreich. Auf Kärnten bezogen kritisiert Eschenauer fehlende Covid19-Stipendien und zu lange Wartezeiten bei Anträgen auf Subventionen. Überdies vermisst der Villacher langfristige Perspektiven für Kulturarbeiter und bemängelt die aktuelle Politik-Propaganda, so genannte „Kulturförderungs-Hilfspakete“, die nichts anderes seien, als heiße Luft. „Bei den Kulturschaffenden kommt nichts an! Und die Situation dürfte sich in den nächsten Monaten deutlich verschärfen. Es ist davon auszugehen, dass Kärntner Gemeinden eine Vollbremsung hinlegen und aus Finanzknappheit Kultur als 'Luxusgut' weiter aushungern. Es braucht gerade in dieser Zeit Solidarität und ein kollektives Bekenntnis zur Kultur!“

Umbau gefordert

Eschenauer fordert einen Radikalumbau der Finanzmittel für Kultur in Kärnten, ein Grundeinkommen für Kulturschaffende und mehr finanzielle Mittel in den Hot Spots, den Städten Villach und Klagenfurt. „Kultur ist Allgemeingut und Kultur ist indiskutabel in all seiner Vielfalt zu schützen, zu bewahren und zu erhalten. Vor allem gehören die finanziellen Mittel zu den Künstlerinnen und Künstlern dieses Landes!“

Tipp

Am 24. September 2020 geben die diesjährigen Preisträger Anna Herzig und Richard Schuberth in „Literatur um 8“ im Dinzlschloss von Villach bei der Bilanz:lesung ihre Kostproben zum Besten.

Autor: Mirela Nowak-Karijasevic , 18.05.2020