Kultur in der Krise

Glück im Unglück hatte die Premiere des neuen Romans der Autorin Valerie Fritsch (www.valeriefritsch.at). Kurz bevor größere Veranstaltungen wegen der Krise verboten wurden, stellte die Steirerin „Herzklappen von Johnson & Johnson“ vor fast 300 Leuten im Literaturhaus vor. Das Buch war schnell Bestandteil aller Bestsellerlisten. Doch die Grazerin leidet genauso unter dem Virus: Lesereisen durch Österreich und Deutschland wurden abgesagt, das Buch liegt in geschlossenen Buchhandlungen und der Buchhandel erlebt massive Einbrüche. „Ein Buch, vier Jahre Arbeit, in einer Pandemie zu veröffentlichen, zu versenken, ist eher suboptimal“, so Fritsch. Dennoch versucht sie sich in adaptiver Gelassenheit, meint die 30-Jährige. In diesen ungewissen Zeiten versucht sie, wie sie so schön sagt, Pläne im kleinsten Radius zu machen und sich auf gute Ideen zu fokussieren.

Optimistisch

Vor leeren Rängen steht derzeit der Schauspieler und Solokünstler Michael Großschädl (www.MichaelG.at). Seine Festanstellung am Next Liberty-Theater, wo auch die Künstler auf Kurzarbeit umgestellt wurden, sichere ihn zumindest finanziell ab, meint der Steirer. Die Schauspieler befinden sich derzeit in einer Warteschleife – sie können nicht proben und müssen auch ihre Planungen auf jede neue Regelung der Regierung anpassen. Mit seinem Kabarett „Junge, lern doch einfach mal Deutsch“ tourte er gerade von Bühne zu Bühne. Inwiefern ihn die Krise als Solokünstler beeinträchtigt? Michael: „Da hat es mich im Vergleich zu vielen anderen nicht so schlimm erwischt, weil ich im März und April nicht viele Auftritte geplant hatte.“ Er bleibt aber dennoch optimistisch. Die freie Zeit nutzt der Kabarettist, um Termine zu planen und zu koordinieren. Außerdem arbeitet der Schauspieler gerade an einem zweiten Musikkabarett-Programm und produziert gemeinsam mit Kollegen einige seiner Songs.

Weiterhin positiv

Der Corona-Virus schränkt auch die Malerei ein. Der Maler und freischaffende Künstler Hans Beletz (www.beletz.at) musste seine für April geplante Ausstellung absagen. Auch Käufer finden sich gerade schwerer als sonst, obwohl seine Bilder online, z. B. auf Facebook, erhältlich sind. Der Grazer Künstler versucht aber weiterhin positiv zu bleiben: „Ich male viel und bin oft im Atelier. Diese verlangsamte Zeit hat auch etwas – die Bilder, die gerade entstehen, sind sehr schön.“

Neues Material

Die New Funky-Indie Pop-Band „Candlelight Ficus“ (www.candlelightficus.com) aus Graz hätte am 28. März den Release ihrer neuen Platte in Graz gefeiert, doch die Krise machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Für die Band besonders hart, denn CDs, Vinyl und Merchartikel müssen auf unbestimmte Zeit in den Kisten warten. Wie die Band damit umgeht? Mitglied Niki Waltersdorfer verriet: „In der Krise überwiegen anfangs immer die negativen Aspekte, wie abgesagte Konzerte etc. Besonders in der Release-Zeit ist auch der direkte Kontakt mit dem Publikum und der Fangemeinde wichtig, um die neue Musik zu verbreiten. Doch mittlerweile gehen wir ganz gut mit der Situation um und basteln an neuer Musik.“ Übrigens: Die neue Release-Party findet am 24. September statt.

Hilfe von außen

Ähnlich wie geschlossene Läden und Co. ist nun auch die Kulturszene auf die Hilfe von außen angewiesen. Wie das funktioniert? Valere Fritsch: „Bücher, Musik, Werke aller Art können online über kleine, lokale Läden gekauft werden – das hilft dem Künstler und dem Shop, denn beide stehen vor großen Herausforderungen.“ Die Band „Candlelight Ficus“ appelliert an die Radiosender: „Jetzt ist die Zeit, um vorwiegend heimische Musik zu spielen. In unserem Land gibt es eine Menge an grenzgenialer Musik, dieser sollte man eine Bühne bieten, bevor sie als nicht-massentauglich abgestempelt wird.“ Schauspieler Michael Großschädl sieht das ähnlich und wünscht sich Hilfe seitens der Regierung: „Wichtig wäre meiner Meinung nach, eine schnelle und unbürokratische finanzielle Hilfe für freischaffende Künstler. Es wird zwar schon etwas getan, aber ich denke da ganz praktisch an ein bedingungsloses Grundeinkommen, dass man natürlich dann auch nicht nur auf dieses Berufsfeld einschränkt.“ Außerdem erhofft er sich eine größere Wertschätzung der Kunst nach der Krise. Hans Beletz sieht optimistisch in die Zukunft: „Ich glaube, dass man später wieder die Möglichkeit bekommt, alles aufzuholen – es kommt ja alles zurück.“

Es liegt also auch in unserer Hand, die österreichische Kulturlandschaft aufrechtzuerhalten. Noch ein Tipp: Die Wiener App „Ticket Gretchen“ versorgt Kulturliebhaber weiterhin: Auf der App können Konzerte und Co. kostenlos im Video-Stream verfolgt werden. Ticket Gretchen bietet nicht nur einen Überblick über das weltweite Kultur-Streaming Angebot, sondern es können auch Gutscheine für künftige Veranstaltungen in der App erworben werden.

Author: Patrick Deutsch , 06.04.2020