Krisensicher – Gerhard Kobinger im Interview

weekend: Ist die Coronakrise auch jetzt noch in den Apotheken spürbar oder hat sich wieder alles normalisiert?
Gerhard Kobinger: Langsam wird’s wieder normal. Nach den Hamsterkäufen von Mitte März hatten viele im April und Mai Flaute. Vor allem Apotheken in Einkaufszentren oder Fremdenverkehrsorten hatten um bis zu zwei Drittel weniger Kunden. Langsam gehen die angelegten Vorräte zur Neige und die Menschen brauchen wieder Nachschub.

weekend: Gibt es Vorbereitungen auf eine zweite Welle und wenn ja, wie sehen diese aus?
Gerhard Kobinger: Ja, wir haben uns schon ein wenig vorbereitet: Beim Arzneimittellager haben wir aufgestockt, ebenso bei Produkten wie Schutzmasken, Desinfektionsmitteln etc. weekend: Wie schätzen Sie die weiteren Entwicklungen ein? Gerhard Kobinger: Schwer zu sagen. Gefühlsmäßig würde ich sagen, bis Jahresende haben wir mehrere wirksame Medikamente, im 1. oder 2. Quartal 2021 einen oder mehrere wirksame und sichere Impfstoffe. Das ist aber reine Spekulation meinerseits.

weekend: Würden Sie sagen, dass die steirischen Apotheken von der Coronakrise profitiert haben?
Gerhard Kobinger: Finanziell sicher nicht. Die tollen Umsätze von Mitte März haben wir in den folgenden Wochen „gebüßt“, zudem hatten wir durch das kontaktlose Rezept und die geschlossenen Ordinationen massiv mehr Aufwand und Arbeit. Für viele waren wir Erstanlaufstelle in allen Gesundheitsfragen und zugleich Infothek, Berater und Tröster in Sachen Covid-19. Und die Sicherheitsmaßnahmen wie Plexiglasscheiben, Desinfektionsmittel für Kunden, Teamteilungen und so weiter hatten wir auch zu finanzieren. Ideell haben wir dagegen durchaus profitiert: Die Menschen waren überaus dankbar, dass wir immer in vollem Ausmaß für sie da waren.

Autor: Patrick Deutsch , 25.06.2020