6 Krisen, die Österreich bereits gemeistert hat

Die aktuelle globale Ausbreitung des Coronavirus ist nicht die erste Ausnahmesituation, die unser Land zu bewältigen hat.

Warnstufe Rot

Die jeweiligen Staatsoberhäupter sahen sich im Lauf der Geschichte unter anderem mit den Folgen des Ungarn-Aufstandes 1956, der Tschernobyl-Katastrophe 1986 und der Flüchtlingskrise 2015 konfrontiert. Zu welchen Maßnahmen gegriffen wurde, um die Nation sicher aus der (frohenden) Krise zu führen, erfahren Sie hier.

1. Ungarischer Volksaufstand (Julius Raab) - 1956 & 1968

Flüchtlingswellen gab es schon in den jungen Jahren der Zweiten Republik: Im Oktober 1956, während des ungarischen Volksaufstands, strömten fast 200.000 Menschen nach Westen. Für das gerade erst unabhängige Österreich unter Bundeskanzler Julius Raab eine Herausforderung. Insgesamt verließen als Folge der sowjetischen Aggression rund zwei Prozent der Bevölkerung Ungarns ihre Heimat. Neun von zehn Flüchtlingen wählten den Weg nach Österreich. So kamen in kurzer Zeit rund drei Prozent der Gesamteinwohnerzahl hinzu. 1968 beim Prager Frühling stellte die Botschaft Tausende Visa aus - 200.000 tschechoslowakische Flüchtlinge kamen nach Österreich.

2. Hongkong-Grippe (Josef Klaus) - 1968

Die Hongkong-Grippe war die letzte große Grippe-Pandemie, bei der weltweit im Zeitraum von 1968 bis 1970 ca. eine Million Menschen starben - darunter auch Menschen aus Österreich. Bundeskanzler Josef Klaus kannte damals das Phänomen der Pandemie schon: Die Hongkong-Grippe war ein Subtypus der Asiatischen Grippe, die bereits 1957 ausbrach und ebenfalls rund eine Million Menschen weltweit tötete. Seit 1952 existieren Impfstoffe gegen die Grippe, der Ausbruch 1968 war Anlass dafür, dass erste Influenza-Impfstoffe mit Antigenen von zwei Typ-A- und einem Typ-B-Virus entwickelt wurden. Es wurden nun auch in Europa Influenza-Impfstoffe zugelassen und in der allgemeinen Bevölkerung eingesetzt.

3. Tschernobyl (Fred Sinowatz) - 1986

Am 28. April 1986, zwei Tage nach der Katastrophe, gab die sowjetische Führung erstmals Probleme zu. Österreich unter Bundeskanzler Fred Sinowatz gehörte damals zu den am meisten belasteten Ländern West- und Mitteleuropas. Milch, Blattgemüse wie Spinat und Salat und später auch Fleisch dürften im Sommer und Herbst 1986 phasenweise nicht verkauft werden. Schwammerln, Wildschwein und anderes Wild sind auch heute noch deutlich stärker mit Cäsium 137 belastet. 1978 lehnten bei der Volksabstimmung "nur" 50,47 Prozent die Inbetriebnahme von Zwentendorf ab. Seit der Katastrophe von Tschernobyl ist die Anti-Atom-Politik parteipolitischer Konsens.

4. Vogelgrippe (Maria Rauch-Kallat) - 2006

Ausgehend von Asien schwappte 2006 die Geflügelpest (auch Vogelgrippe genannt) nach Europa über. Die Bekämpfung erfolgte in der EU auf Grundlage nationaler Gesetze. Die ersten Verdachtsfälle in Österreich wurden im Februar in der Steiermark bestätigt. Von politischer Seite wurde rasch reagiert: Schutz- und Überwachungszonen wurden eingerichtet. Die damalige Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat erteilte österreichweit eine Stallpflicht für Geflügelbetriebe. Jeder Verdachtsfall bis heute muss sofort gemeldet werden. Bestätigt sich der Fall, wird der Betrieb geschlossen, empfängliche Tiere werden gekeult und Schutzzonen eingerichtet. Seit April 2017 ist in Österreich kein Fall von Vogelgrippe aufgetreten.

5. Finanzkrise (Alfred Gusenbauer) - 2007

Die sogenannte Weltfinanzkrise wurde vom spekulativ aufgeblähten Immobilienmarkt in den USA ausgelöst und fand ihre Höhepunkt in der Pleite der US-Großbank Lehman Brothers. Anders als 1928 hatte die Finanzkrise der Jahre 2007/2008 keine wirklich drastischen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, weil die Staaten die wichtigsten Geldinstitute mit Kapitalerhöhungen vor der Pleite retteten. Auch die Leitzinsen wurden gesenkt, um Kreditklemmen zu verhindern. Deutschland stellte 400 Milliarden Euro an Bürgschaften für Krisenbanken zur Verfügung, und Österreichs Regierung unter Kanzler Alfred Gusenbauer half mit 100 Milliarden Euro für die Banken aus. Die Zinsen sind bis heute tief und werden es wohl noch lange sein.

6. Flüchtlingskrise (Werner Faymann) - 2015

Die EU sah sich 2015 mit einer Flüchtlingswelle konfrontiert, die aus dem Ruder zu laufen drohte. Allein in Österreich gingen bis Dezember über 80.000 Asylanträge ein. Unter der Führung Werner Faymanns wurde eine "Task Force Asyl" eingerichtet und mit Christian Konrad ein Flüchtlingskoordinator bestellt. Österreich führte nach Deutschland temporäre Grenzkontrollen ein und errichtete Grenzzäune. Auf Initiative des damaligen Außenministers Sebastian Kurz konnte die Balkan-Route geschlossen und damit der Zustrom gedrosselt werden. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel erreichte ein Abkommen mit der Türkei: Die Genze zu Griechenland wurde dicht gemacht.

Author: Ute Daniela Rossbacher , 06.07.2020