Kommentar: Zu viel Türkis ist der Grünen Tod

Wenn der Tiroler Landeshauptmannstellvertreter eine Aktivistin als „widerwärtiges Luder“ bezeichnet, ist das in der ÖVP maximal eine Randnotiz. Die paar letzten liberalen Wähler, die man durch einen – sind wir uns ehrlich letztlich doch verständlichen Sager – verliert, gewinnt man auf der anderen Seite des Spektrums. Nein, die Krot fressen die mitregierenden Grünen, sowohl im Land Tirol als auch im Bund.

Als Juniorpartner in eine Regierung zu gehen, ist an sich schon mutig. Als Juniorpartner in eine Regierung mit der ÖVP zu gehen, gleicht einem Selbstmordkommando. Die FPÖ kann davon ein Lied singen, wenn nicht gar eine befreundete Burschenschaft mit der Zusammenstellung eines Liederbuchs beauftragen. Die stabilen bis guten Umfragewerte der Grünen sind in erster Linie dem Corona-Virus geschuldet. Und natürlich Rudi Anschober, der als Gesundheitsminister eine beachtliche Performance hingelegt hat.

Jetzt aber, wo das Virus eine immer geringere Rolle spielt, werden die Grünen mehr und mehr von den Niederungen der Tagespolitik eingeholt. Zuletzt in der Person des außerhalb Tirols bisher völlig unbekannten Josef Geisler. Während man als Oppositionspartei noch Zeter und Mordio geschrien hätte, würgt man als Regierungspartei eine solche Entgleisung zähneknirschend hinunter. Die Konsequenz ist ein verdorbener Magen. Die grüne Stammwählerschaft ist bei solchen Themen nämlich empfindlich, moralische Verfehlungen werden keineswegs mit einem Schulterzucken quittiert. Mitgehangen – mitgefangen. Der ÖVP, deren Wählerschaft in punkto Moral etwas flexibler zu sein scheint, schaden solche Entgleisungen offensichtlich wenig.

Aber nicht nur auf der moralischen Ebene ziehen Gewitterwolken auf, auch dem genetische Code der Grünen droht ein Defekt. Für Umweltthemen ist halt in einer Wirtschaftskrise gigantischen Ausmaßes wenig Platz. Menschen, die um ihre Existenz fürchten, kümmert ein in der Zukunft liegender Klimakollaps relativ wenig. Da zählt nur das hier und jetzt. Die ÖVP verfügt zudem über eine ausgeklügelte Maschinerie an fachlich kompetenten Leuten (da meine ich nicht zwingend die Ministerriege) und einen Kommunikationsapparat, der jederzeit in der Lage ist, ein unangenehmes Thema innerhalb von Stunden aus den Köpfen der Bürger zu blasen.

Die noch immer in moralischen Standards gefangenen Grünen stehen also einer hochprofessionellen türkisen Truppe gegenüber. Ein ungleiches Match. Wenn es Werner Kogler in den nächsten Monaten nicht gelingt, ein paar Duftmarken zu setzen, werden die Türkisen die Grünen mit Haut und Haaren auffressen.

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Autor: Patrick Deutsch , 29.06.2020