Kommentar: Was ist heute schon normal?

Gefühlt geht das Thema Corona bereits jedem maßlos auf die Nerven. Die Aussage „Ich will einfach nur noch, dass alles wieder normal wird“ dominiert in vielen Gesprächen. Bad news for you: Von der Normalität sind wir noch unendlich weit entfernt. Allein die Erlaubnis, wieder Freunde treffen zu dürfen – nach wochenlanger Einschränkung der persönlichen Rechte – als „schrittweise Rückkehr zur Normalität“ zu verkaufen, zeigt, dass nach wie vor alles andere als der normale Alltag herrscht. Der Friseurbesuch wird zum langersehnten Highlight, ein Tag im Büro wird zum Wunschtraum – wer denkt, dass mit der Öffnung der Geschäfte langsam wieder alles seinen gewohnten Lauf nimmt, irrt. Die zahlreichen Arbeitslosen, die ums Überleben bangenden Gastronomen und Hoteliers und die verängstigten Senioren können ein Lied davon singen.

Jahrelang

Alarmierend ist die Meinung mancher Experten, dass frühestens in einem Jahr wieder so etwas wie Normalität ohne Einschränkungen bei uns herrschen wird. Sollte die Regierung tatsächlich noch so lange zaudern, wird es die gewohnte Normalität aber ohnehin nicht mehr geben. Ob dieses sehr langsame Hochfahren tatsächlich noch der Eindämmung des Virus geschuldet ist oder lediglich einen dramatischen Effekt haben soll, damit die Maßnahmen der Regierung rückblickend nicht allzu überzogen wirken, sei dahingestellt. Klar sollte uns zumindest sein: Nur, weil wir plötzlich wieder Kleidung einkaufen und unsere Lieben treffen dürfen, kann man noch lange nicht vom Ende der Krise träumen. Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass diese surreale Wirklichkeit im Moment die einzige Normalität ist, die wir haben.

Author: Patrick Deutsch , 06.05.2020