Kommentar: Von Impfungen und Pflichten

Bereits in wenigen Wochen sollen die ersten Corona-Impfstoffe in die nächste Testphase gehen; in China hätte man bereits erste erfolgversprechende Tests an Menschen durchgeführt, heißt es. Was von einigen längst sehnsüchtig erwartet wird, wird von anderen eher skeptisch gesehen: Ist es klug, einen derart schnell entwickelten Impfstoff auf den Markt zu bringen? Könnten dabei nicht bislang unabsehbare Langzeitschäden auftreten? Und vor allem: Darf man die Menschen dann dazu einfach zwingen, sich gegen das Virus impfen zu lassen?

Freie Entscheidung

Impfgegner können bislang in Österreich die empfohlenen Impfungen ablehnen. Dass das bei hoch infektiösen Krankheiten wie Masern verheerende Folgen haben kann, ist zwar bekannt – eine Impfpflicht besteht bei uns dennoch nicht. Dass diese nun ausgerechnet für das neue Coronavirus im Gespräch ist (eine Krankheit, die weitaus weniger ansteckend bzw. gefährlich ist als Masern), wirkt also wie ein weiterer Panikschuss der Regierung. Den Österreichern wurde während der gesamten Krise ohnehin nicht besonders viel Eigenverantwortung zugetraut – mit der Idee einer flächendeckenden verpflichtenden Impfung geht man dabei noch einen Schritt weiter. Noch skurriler wirkt nur noch der Vorschlag, dass – alternativ zur Impfpflicht – „immune“ Menschen (ob durch Impfung oder überstandene Infektion) mehr Rechte haben sollen als jene, die sich ungeschützt in die Öffentlichkeit wagen – wodurch man eben indirekt zur Impfung gezwungen wird. Eines steht jedenfalls fest: Jenes Land, das den ersten Impfstoff auf den Markt bringt, wird Impfpflicht-Gedanken definitiv befeuern – und somit der größte Gewinner der Coronakrise sein.

Autor: Patrick Deutsch , 03.06.2020