Kommentar: Vom gefährlichen Spiel mit der Angst

Die Zahlen beweisen es. Die österreichische Bundesregierung hat in der Corona-Krise schnell und effektiv gehandelt und uns so vor dem Schlimmsten bewahrt. Überfüllte Intensivstationen und ein Massensterben wie in Italien konnten verhindert werden. Dafür wurden Kanzler und Gesundheitsminister ausreichend, zum Teil ausufernd, gelobt. Ob es einen anderen Weg zur Bewältigung der Krise gegeben hätte, wie etwa das sogenannte schwedische Modell, wird man erst dann seriös aufarbeiten können, wenn sich der Pulverdampf verzogen hat. Noch sind wir dafür zu paralysiert, zu sehr in der Situation gefangen.

Habe Mut

Unter dem Eindruck Italiens stehend hat man aber wohl etwas übers Ziel hinaus geschossen. Damit meine ich nicht den Lockdown als solchen, sondern vielmehr die zu sehr in Moll gehaltene Begleitmusik. Wir haben noch immer die Warnungen vor den 100.000 Toten und die apokalyptische Aussage des Bundeskanzlers, wonach bald jeder einen kennen werde, der an Corona gestorben ist, in Erinnerung. Das hat sich tief in die österreichische Psyche eingebrannt. Leider scheint es die Bundesregierung verabsäumt zu haben, einen Psychologen ins Beraterteam zu holen. Ein solcher hätte nämlich mit Sicherheit darauf hingewiesen, dass zu viel Angstmacherei fatale Folgen haben kann. Ja, Respekt vor der Krankheit zu haben, ist wichtig und rettet Leben. Aber es ist ein schmaler Grat. Auch Angst kann nämlich krank machen – sowohl psychisch als auch physisch. Vor allem aber werden wir in Zukunft viel Mut brauchen – Mut, um diese Krise zu überwinden, Mut zur Normalität, und Mut, unseren Wohlstand zu erhalten.

Autor: Patrick Deutsch , 29.06.2020