Kommentar: Sturm Graz: Der Fisch beginnt beim Kopf …

Richtige Trainer heißen Didi Kühbauer, Andi Herzog oder meinetwegen auch Franco Foda. Aber sicherlich nicht Nestor El Maestro. So heißen Dirigenten, die mit einem Stab herumfuchteln, aber keine Fußballtrainer. Zuletzt dirigierte der Verhaltensauffällige sein Team von den Zuschauerrängen aus. Das war den Sturm-Verantwortlichen noch nicht weit genug von der Mannschaft entfernt. Also nahm man in Messendorf Beethovens „Schicksalssymphonie“, der Dauerbrenner der heurigen Saison, vom Plattenteller und legte stattdessen Wagners „Götterdämmerung“ auf. Maestro aber entriss man den Dirigentenstab, versohlte dem Glücklosen mit selbigem den Hintern und jagte ihn von dannen. Hochverdient meinen manche. Viel zu spät meinen fast alle.

Das Ende dieser ruhmlosen Ära lässt Präsident Christian Jauk einmal mehr den Neubeginn ausrufen. In einer Aussendung spricht er von einer „Neu- und Umstrukturierung“ und einem „notwendigen Neustart“. Das alles werde in einer „Perspektivenklausur“ erarbeitet und „zeitnah“ präsentiert. Nun, ich meine, mich erinnern zu können, dass 2012 bei Jauks Antrittsrede im Brauhaus Puntigam ganz ähnliche Worte gefallen sind. Nur irgendwie hörte sich das damals frischer an. Heute klingt es nach „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Kritische Geister werden sich jetzt fragen, was eigentlich die Gründe sind, warum man jetzt wieder einmal einen Neubeginn einleiten muss. Und wer eigentlich dafür verantwortlich zeichnet. Klar, man kann den Trainern, den unmotivierten Kickern oder dem eben aus dem Amt geschiedenen Sportdirektor die Schuld für das Versagen geben. Vielleicht auch dem Zeugwart, dem Rasen oder dem Mond. Es gibt dazu aber eine altes Sprichwort: Der Fisch beginnt beim Kopf…

Vielleicht braucht nicht nur die Mannschaft, sondern der ganze Verein eine Frischzellenkur. Ist es da sinnvoll, mit einem alten Besen… Nein, genug der Sprichworte. Lassen wir den Präsidenten seine „Perspektivenklausur“ abhalten, üben wir uns 3 bis 5 Jahre in Geduld – dann kann es schon wieder mal einen glücklichen Cupsieg geben. Das nenn ich schwarz-weiße Leidensfähigkeit.

Autor: Patrick Deutsch , 25.06.2020