Kommentar: Strache im Bierzelt statt im Häfen

Weil wir momentan eh nicht viel zu lachen haben, können wir uns glücklich schätzen, jemanden wie HC Strache in unserer Mitte zu haben. Der frischgebackene THC-Kandidat hat ein Jahr lang hinausposaunt, dass die veröffentlichten Ibiza-Video-Sequenzen manipulativ seien und ein verzerrtes Bild zeigen würden. Immer wieder forderte er die Aufdecker auf, der Öffentlichkeit doch endlich das ganze Video zu zeigen. Nun hat die Staatsanwaltschaft tatsächlich den Ibiza-Blockbuster sichergestellt. Und plötzlich – oh Wunder – ist der gute HC gar nicht mehr so für die Veröffentlichung des Materials. Anscheinend hat sich die Erinnerung doch einen Weg durch die von böswillig verabreichten Drogen lahmgelegten Gehirnwindungen gebahnt. Anders ausgedrückt: Strache ist klar geworden, dass die Veröffentlichung wohl eher zu einer Be- und keinesfalls zu einer Entlastung führen würde.

Fahrlässig

Genug gelacht. Der eigentliche Skandal ist nämlich, dass Strache strafrechtlich nicht wegen versuchter Korruption belangt werden kann, weil er zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch nicht in der Regierung saß – eine Lücke im Gesetz, die bis heute nicht geschlossen wurde. Ein Jahr nach Ibiza könnte also ein hochrangiger, aber nicht in Regierungsverantwortung stehender Politiker einer anderen „schoafen“ Oligarchin den genau gleichen Schmarren auftischen und hätte keine Konsequenzen zu befürchten. Dass es der Nationalrat bis heute nicht geschafft hat, dieses Gesetz zu reparieren, grenzt an Fahrlässigkeit. Strache kann derweil völlig ungeniert durch Bierzelte tingeln, anstatt hinter Gittern über sein potschertes Leben nachzudenken.

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Autor: Patrick Deutsch , 29.06.2020