Kommentar: Schwierige Rechnung

Und wieder einmal war sie klar zu spüren: die fehlende Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Die Corona-Krise hat zwar alle Unternehmer schwer getroffen – Frauen jedoch weitaus mehr als Männer. Warum? Weil Frauen nach wie vor in den meisten Fällen die Mehrfachbelastungen zwischen Arbeit, Kindern und Haushalt managen müssen, während Männer eben das Geld nach Hause bringen und sich darauf verlassen, dass sich der Rest von allein erledigt. Somit blieb den männlichen Unternehmern auch in der Krise mehr Zeit, sich um ihr Unternehmen zu kümmern, während jede zweite Unternehmerin ihr Geschäft (zumindest vorübergehend) stilllegen musste. Übrigens waren es nicht nur die Selbstständigen, bei denen diese unerfreuliche Unausgewogenheit ans Licht kam: Generell waren es vorwiegend die Frauen, die im Home Office auch Home Schooling oder Kinderbespaßung am Hals hatten, wie Befragungen gezeigt haben.

Selektiv

In einer Zeit, in der es selbstverständlich ist, dass die Partnerin ein zweites Gehalt nach Hause bringt und sich zu 50 % an den Ausgaben beteiligt, wirkt es beinahe, als würden Männer sagen: Gleichberechtigung sehr gerne – aber bitte ein wenig selektiver! Was das selbstständige Einkommen und die Fifty-fifty-Aufteilung der Kosten betrifft, sind Männer nämlich lautstarke Befürworter der Gleichberechtigung. Zurückhaltender werden sie erst, wenn es heißt: Haushalt und Kindererziehung wären dann aber auch eine Sache von Fifty-fifty. Da verlernen Männer dann plötzlich das Rechnen und können nicht mehr beurteilen, wie viel 50 % eigentlich sind. Dass man sich da einmal grob verschätzt, kann ja durchaus passieren, oder?

Autor: Patrick Deutsch , 01.07.2020