Kommentar: Höhlenmenschen, Bad Basti und Bye bye Lunacek

Gleich drei epochale Ereignisse erschütterten vergangene Woche die Republik. Da wäre zunächst die mit Nerven zerfetzender Spannung erwartete Umbenennung der DAÖ in THC (Team HC Strache). Just in jener Woche, in der sich die Filmpremiere der Ibiza-Sause jährt, landete der eigentlich von allen Ämtern für immer und ewig zurück getretene Ex-FPÖ-Obmann neuerlich einen Coup. Er und sein sympathischer Wahlkampfleiter Christian Höbart werden sich nun wohl auf die Suche nach „kulturfernen und ungebildeten Höhlenmenschen und Ziegenhirten“ machen - irgendwie muss man die Fünf-Prozent-Hürde schließlich schaffen. Wobei es vor allem mit dem Auffinden von Ziegenhirten in Wien schwer werden dürfte. Aber zumindest im Kampf um die Höhlenmenschen darf man ein spannendes Match zwischen Strache und der FPÖ erwarten.

Nicht minder Staub wirbelte der Besuch des Krisen-Kanzlers im beschaulichen Kleinwalsertal auf. Selbst ihn, den an Zuneigung Gewöhnten, überraschte der spontane Menschenauflauf und die damit einhergehenden Liebesbekundungen. Doch nach einer kurzen Schockstarre sagte er zu sich selbst Rock´n Roll Baby und genoss sichtlich das Bad in der Menge. Nur mit Mühe konnten die Security-Mitarbeiter Bad Basti, wie er seither im Kleinwalsertal genannt wird, von einem Stage Dive zurückhalten. Am Abend in der ZIB 2 war dann das Adrenalin wieder aus des Kanzlers Körper gewichen. Man müsse die Menschen im Kleinwalsertal verstehen, beteuerte er in der ZIB 2, diese seien immerhin fast 10 Wochen von der Außenwelt abgeschnitten gewesen. Ja, wenn einen das Glück übermannt, kann man schon einmal auf Maske und Abstand vergessen. Das muss man dem Kanzler und den Kleinwalsertalern nachsehen.

Zu allem Überdruss hat dann auch noch Ulrike Lunacek das Handtuch geworfen. Beim Versuch die Ankündigungspolitik des Koalitionspartners zu kopieren, ist sie kläglich gescheitert. Das Original kopieren zu wollen ist wie den Eifelturm in Minimundus mit jenem in Paris zu vergleichen. Ein wenig ist ihr aber auch das Know-How der Kulturschaffenden zum Verhängnis geworden. Niemand sonst kennt die Mechanismen des Staates Österreich so gut, niemand sonst findet sich in den kakanischen Verhältnissen so gut zu Recht wie jene, die uns Höhlen- zu Kulturmenschen machen.

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Autor: Patrick Deutsch , 29.06.2020